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Grausamkeit und Sexualität

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Sadistisch-flagellantische, pathologische, gesellschaftlich-machtpolitische und religiöse Hintergründe der Leibes- und Todesstrafen, Hinrichtungsarten, Martern und Qualen bis in die Gegenwart in Wort und Bild
ca. A4
deutsche Erstausgabe

"Solange die Welt besteht, hat sich der Mensch als vollkommen, als Ebenbild Gottes betrachtet. Er nennt sich Beherrscher der Welt und rühmt seine Weisheit und alle jene Künste, die aus seinem verschwenderisch produktiven Geist geboren wurden. Und doch: er ist ein Wolf unter seinesgleichen, ein gefährliches Monstrum, wie Montaigne einmal sagte. Wo seine Selbstsucht, seine Rachgier und sein Vergeltungstrieb im Spiele sind, unterscheidet er sich in nichts von den wilden Raubtieren. Im Gegenteil — er übertrifft diese noch: in jedem beliebigen Augenblick seines Lebens ist er dazu bereit, seinen Nächsten auszubeuten, zu verletzen oder gar ihn zu vernichten! — vor allem jedoch, ihn leiden zu lassen. Die Folter ist eine ganz spezielle Erfindung des menschlichen Geistes.

„Sie ist eine Perversion des Mitleids, wie die Obszönität eine Perversion der Scham ist." (Thierry Maulniere) Die natürliche Grausamkeit des Menschen verlangt unaufhörlich nach Betätigung, auch wenn sie durch das Zusammenleben in der Gesellschaft und die Angst vor Polizei und Gesetz eingeengt wird. Aber: sind dieser Gier nach den Sensationen der Grausamkeit die äußeren Umstände nicht allzu oft günstig und erscheint nicht die Straflosigkeit selbst der grauenvollsten Untaten zuweilen förmlich gesichert? Kriege und Hungersnöte und die Vernichtung von politischen und wirtschaftlichen Gegnern sind die besten Beispiele dafür. Wer wollte im Ernst behaupten, daß die Ausrottung der Albigenser, der Hexen, der Juden oder anderer politischer Gegner dem Willen einer Gottheit oder den Plänen der Natur gemäß sei?

Anscheinend gibt es aber keine größere Faszination, als die der großen Kriege, die Menschen zu Ruhmestaten der Eroberung führten, zu den furchtbaren Metzeleien und Blutbädern! Alexander, Caesar, Attila, Dschingis Khan — und um einen Blick in die jüngste Vergangenheit zu tun — Hitler: Die Zahl ihrer Bewunderer geht in die Millionen. Ohne den Ruhm des großen Napoleon schmälern zu wollen, sollten wir uns des Gemetzels von Jaffa, der spanischen Exekutionen und der Massen der Verwundeten während des Rußlandfeldzuges erinnern. Das Blut der Unschuldigen durchzieht die Geschichte der Menschheit wie ein purpurner Strom. Aber auch die Vaterlandsliebe wird nicht selten zur Ausrede für die blutigen Taten, die die Geschichte als Heroismus preist. Der Freibeuter erscheint häufig als eine Art von Übermensch, umgeben mit einer Aureole aus Bewunderung und Neid. Und allzu selten sind die Stimmen der Rufenden in der Wüste, die wie Barras den Helden als blutrünstigen Barbaren entlarven ...

Um seinen Sadomasochismus zu befriedigen, wendet das überlegene Menschtier für einen Zweck, den es als ästhetisch oder heilig ausgibt, Tausende von Martern an. Es beschneidet den einen seiner Mitmenschen, am anderen dehnt er den Kopf aus oder verlängert die Lippen. Er läßt Schneidezähne sprengen, deformiert Füße und läßt Finger zernagen. Um jeden Preis will er beschneiden, opfern, tätowieren und die naturgegebene Ordnung in dieser oder jener Form verändern. Er kasteit sich, er legt sich selbst drückende Fesseln auf, unterwirft sich einer schmerzhaften Disziplin, um entweder das Wohlwollen seiner Gottheit zu erringen oder seine sexuellen Kräfte zu stärken. In allen Religionen wird die Heiligkeit durch die Stimmen der Mysteriker und Epileptiker verkündet, erhebt sie sich vor einem teuflischen Hintergrund von Wundmalen, Bußgewändern, Besessenheit und mannigfacher Verderbtheit. Ständig im Kampf mit den feindlichen Dämonen, geplagt von brennenden Begierden und gequält von Versuchungen, präsentieren sich die Anwärter auf die himmlische Glorie allzu oft mit verknöcherter Härte und Blutlosigkeit.

Selbst der Tod scheint dem Menschen anziehend, und er erfand für ihn eine wahre Fülle höllischer Folterinstrumente. Jeder sollte sich bestraft sehen, wie er gesündigt hatte. Für die Feinschmecker erfand man den Gestank von höllischem Schwefel, für die Wüstlinge Skorpione und Schlangen, die Geschlechtsteile zerfleischten und in Eingeweiden wühlten. Der Mensch hatte an einem Leben voller Mühseligkeiten und Krankheit nicht genug. Also schuf er sich noch ein Dasein voller Leiden, Foltern und Vipern. Unter den Perspektiven von Schmerz und Verdammnis gelang es einst, eine Bevölkerung in Fesseln zu halten — eine Bevölkerung, die naiv genug war, sich vorzustellen, daß sich höllische Dämonen mit Eifer an die Vollstreckung göttlicher Richtsprüche machten ...

Die Erniedrigung, die der Anblick von Mißgeburten in Jahrmarktsbuden bietet, die Sensationen in Gerichtssälen und Schreckenskammern und nicht zuletzt die Kinoleinwand, die das aufregende Leben von Freudenmädchen und Banditen nacherleben läßt — alle diese Greuel kommen den sadistischen Neigungen entgegen. Es gibt nur wenige Filme ohne Gemetzel, Ohrfeigen und gebrochenen Gliedern. Mit einem Wort: wenige, in denen nicht Peitsche und Revolver regieren. Das Kino der Schrecken bietet ein Ventil für die menschliche Grausamkeit, die alle Martern und Schrecken gutheißt, die der Zuschauer selbst nicht zu begehen wagt. Er fühlt sich vom Verbrechen fasziniert, seine Nerven vibrieren, er läßt sich zu Träumen von unerhörten Torturen fortreißen. Er sieht sich in der Rolle eines Buffalo Bill und spielt, vor Strafe gesichert, die Rollen eines Frankenstein oder Jack the Ripper. Früher, oh ja, früher war er noch draufgängerisch, wenn er sich ins Hyppodrom, in den Circus oder auf den Place de Greve begab. Er hatte dort einen Logenplatz, von dem aus er mit leidenschaftlicher Anteilnahme die Vierteilung eines Königsmörders verfolgte und die Leichen der Häretiker und Inzestiösen mit Genuß beobachten konnte.

Der Pöbel hat die Menschenopfer, die einer Gottheit oder auch den Königen und Fürsten gebracht wurden, zu allen Zeiten genossen ...

Jenseits von Gut und Böse wird sich diese Arbeit aber an die historischen Gegebenheiten halten und es vermeiden, an die morbide Neugierde zu appellieren, die nur allzu deutlich die Tendenz hat, sich in unser tägliches Leben einzuschleichen. Nach einer allgemeinen Übersicht über die Leibesstrafen, ihren Arten entsprechend, werden wir uns mit den Funktionen des Henkers zu beschäftigen haben, ferner mit der Abschaffung der Tortur und ihrer Auferstehung in unserer Zeit. Wir werden schließlich auch noch die Beziehungen untersuchen müssen, die zwischen den Leibesstrafen, der Religion, der Erotik und der Literatur bestehen. Abschließend wird eine Bibliographie über das von uns verwendete Material Auskunft geben und so das Werk abrunden, das wir auf eine ebenso sprechende wie erträgliche Weise zu illustrieren versucht haben."

Erhaltungszustand

sehr guter Zustand, geringe Gebrauchs- und Alterungsspuren - obere Einbandecken gering gestaucht