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Quer durch Hawaii

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  • Verlag: Fr. Seybold's Verlagsbuchhandlung, Leipzig
  • Autor:
  • 255 Seiten mit Kopfgoldschnitt
  • Bindung / Material: Halbleder
  • Sprache: de
  • Jahr: 1926

Ferdinand Emmerich, Weltreisen und Forscher-Abenteuer, Band 6

"Mein Kurs lag ostwärts. Meine Aufgabe war nahezu erfüllt. Noch blieb mir die Durchquerung der Insel Hawaii, dann winkte mir eine längere Ruhepause. Wie sehr ich mich nach einer solchen sehnte, kann nur der ermessen, der sich in die Tage eines Menschen hineinzudenken vermag, der über ein Jahr lang alle die kleinen Bedürfnisse entbehren mußte, die nun einmal die Kultur dem Manne anhängt. Viele Monate hindurch sah ich kein Bett. Der harte Boden, mit einer Schicht Blätter als Unterlage, dazu den weiten Himmel als Dach über dem müden Haupte, vertrat die Stelle eines Nachtlagers. Halbgares, halbverbranntes Fleisch, mit großen Schwierigkeiten beschafft und oft unter Lebensgefahr am Feuer geröstet, bildete die Kost, wenn nicht die Nähe mordgieriger Eingeborener uns auch diesen Leckerbissen verwehrte. Unsägliche Strapazen, über schroffe Gebirgszüge, durch nie von Menschen betretene Urwälder, durch Sümpfe und über verdorrte Steppen führende, fluchtartige Wanderungen, dazu Hunger und Durst, verschärften die täglich wiederkehrenden Anforderungen an unsere Willensstärke — und nun winkte die Ruhe.

Celebes lag hinter mir. Einen Teil meiner Erlebnisse auf jener Insel findet der Leser in den Schilderungen meines fünften Bandes. Jetzt stand ich auf dem Deck eines deutschen Frachtdampfers, der mich nach Hawaii bringen sollte. Ich wählte in Yokohama diesen schlichten Landsmann aus der Mitte der amerikanischen, englischen und kanadischen Luxusdampfer, um wieder einmal einige Wochen heimatliche Laute unvermischt zu hören, um wieder einmal derbe deutsche Schiffskost zu genießen.

Kapitän Michelsen machte anfangs Schwierigkeiten, mich auf seinem Dampfer »Schleswig« als Passagier mitzunehmen. Nicht allein, weil dem Schiffe die Einrichtungen für Fahrgäste fehlten, sondern in echt deutscher Rücksichtnahme auf das, was die Agenten der großen Dampferlinien wohl dazu sagen würden ... Durch Überredung und mit freundlicher Unterstützung des in Japan ansässigen Großkaufmanns Vogel brachte ich jedoch den guten Michelsen dahin, daß er mich der Form wegen unter seine Mannschaft einreihte — als Kajütsjunge! Damit war die Rücksichtnahme auf Engländer, Amerikaner und die schlitzäugigen Japanesen untertänigst gewahrt (o Michel !), und ich durfte mitfahren.

Nach viertägigem herrlichen Wetter suchte uns eine »gute« Brise auf. Sie sorgte ausgiebig dafür, daß mich die Langeweile verschonte. Der Wind nahm den Mund ordentlich voll und legte sich fest in die schwellenden Segel, die damals noch von allen Dampfschiffen geführt wurden. So, unter dem Druck von Segel und Dampf, liefen wir in guter Fahrt durch die mehr und mehr auflaufende See. Der langentbehrte Genuß eines in wildem Zorne aufschäumenden Weltmeeres bannte mich fast ununterbrochen auf das Deck, und freudig legte ich Hand mit an, als gegen Mitternacht die Kraft des Windes den Kapitän zwang die meisten Segel fortzunehmen.

Gegen Morgen hatten wir einen richtigen Sturm. Hoch auf die Spitze der Wellenberge kletterte die kleine »Schleswig«, um gleich darauf sausend in ein tiefes Tal hinabzutauchen. In allen Fugen knarrte und ächzte das wackere Schiff, und einem mutigen Renner gleich schüttelte es die schweren Wogen von seinem Rücken, die ihm die gierige See in seinem unaufhaltsamen Laufe ostwärts freigebig spendete.

Mittags lief ein großer englischer Australiendampfer an uns vorbei. Ein gewaltiger Bau gegen unsere kleine »Schleswig« ..."

Erhaltungszustand

guter bis sehr guter Zustand, geringe Gebrauchs- und Alterungsspuren: Einband gering beschabt - Einbandecken gering abgenutzt - Seitenschnitt etwas vergilbt und gering fleckig - Seiten sauber und ordentlich