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Das Gespenst im Antistitium

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Novellen

WG² 12 / Bloch 3315

"Aus der Ecke kam eine flüsternde Stimme: ,,Weiß man davon, daß ich da bin?''

Der Antistes schüttelte die grauen Locken: ,,Nein, niemand.«

Und wiederum Stille.

Auf einmal öffnete sich die Stubentüre, ganz langsam und ohne das mindeste Geräuschlein, und aus der stickdunkeln Finsternis des Ganges schwebte etwas Weißes herein, zog bogenweis unter der niederen Balkendecke durch und fiel leise knisternd neben dem Antistes abhin und war ein dicker Mühlsteinkragen.

Und nun ein feines Geklingel mitten in der Stube, und ein silberner Becher und ein großer Garnklüngel tanzten und rugelten umeinander über den weißen Boden hin.

Dann schloß sich die Türe wieder, wie von selber und ohne daß wo eine menschliche Hand zum Vorschein kam und ohne daß man etwas anderes vernahm als des Antistes stöhnenden Atem und das Krachen seines Stuhles, der nun auch den mühsam heraufgezogenen Beinen Raum geben mußte.

Aber jetzt, vom höchsten Zimmer des Hinterhauses her, das Schlagen einer Tür, zwei-, dreimal — und dann gleicherweise ganz nahe am großen Saal drüben — und jetzt in der Erkerstube grad unter den Füßen ein furchtbarlich grausam Gepolter, als ob das ganze Haus brechen müßte.

Der Antistes preßte beide Hände auf die Ohren, und sein Gesicht ward fahl und dick und hangend wie das eines alten Weibes, und sein Mund wimmerte. Aber auf einmal zog dieses Wimmern durch das ganze Haus und schwoll und wuchs an und ging vom tiefen Keller in die Winde hinauf, als ob alle Wände klagsam geworden wären und alle Stufen weinten.

Und dann aus der Höhe die schrillen Schreie eines Raubvogels, in rascher Folge, dreimal und dreimal ..."

Erhaltungszustand

sehr guter Zustand, geringe Gebrauchs- und Alterungsspuren: Vorsätze sowie die ersten und letzten 2 Seiten teils gering stockfleckig