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Die weiße Mah - Allein bei Urvölkern und Menschenfressern

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"Es sind jetzt ungefähr drei Monate her, seit ich im Auftrage eines großen amerikanischen Zeitungskonzerns Frau Gulla Pfeffer, die erste deutsche Forschungsreisende, aufsuchte. Ich bin damals mit einem gewissen Widerstreben zu Frau Pfeffer gegangen. Heute, in der Zeit des Rekords, kann man kaum noch daran glauben, einen Menschen zu treffen, der eine Arbeit leistet, die außerhalb eines dieser schönen Rekorde steht. Ich konnte mir auch gar keine rechte Vorstellung davon machen, was eine Frau wirklich fachlich an Forschungsarbeit hätte leisten können. Aber es gibt doch Idealisten in unserem materiellen Jahrhundert, und zu diesen gehört ganz entschieden Frau Gulla Pfeffer.

Es gibt Sehnsüchte, mit denen man geboren wird, für die man nie im Leben eine Eklärung findet. So war der Begriff ,,Afrika« für Gulla Pfeffer etwas, womit von Kind an ihre Phantasie auf das innigste verbunden war. Was sie an Büchern über Afrika bekommen konnte, wurde wißbegierig verschlungen.

,,Afrika — die Wiege der Menschheit.« Aus kindlichen Phantastereien entwickelte sich ein bewußter Forschertrieb, der schließlich so stark wurde, daß er alle Hemmungen und Hindernisse rücksichtslos überwinden half. Intensive Beschäftigung mit Menschen- und Völkerkunde, jahrelanges Studium der Ägyptologie, Arbeiten in den Museen, alles dieses gehört zu den Vorbereitungen zu der Expedition, die Gulla Pfeffer schließlich Ende des Jahres 1927 unternahm.

Von einem gewissen Standpunkt aus ist es heute kein Kunststück, Expeditionen in das Innere Afrikas zu unternehmen. Das Land ist zum größten Teil erschlossen, Autostraßen und Eisenbahnen sorgen für bequeme Reisemöglichkeiten, und wenn man sich an die vorhandenen Straßen hält, ist die ganze Angelegenheit mehr als nur einfach. Je weiter die Zivilisation fortschreitet, desto schwieriger wird es in Afrika sein, Volksstämme aufzufinden, die vom europäischen Einfluß unberührt, in einer Welt leben, die etwa unseren Vorstellungen vom Steinzeitalter entspricht. Wahrscheinlich werden die wenigen, die es noch gibt, bereits in einigen Jahrzehnten verschwunden sein.

Es ist daher gerade von ganz besonderer Wichtigkeit und von besonderem Interesse, nicht nur vom Standpunkt der Afrikaforschung aus, sondern in bezug auf die Entwicklungsgeschichte der Menschheit, das Leben dieser primitiven Urvölker zu studieren. Und von dieser Überlegung ausgehend, konzentrierte Frau Gulla Pfeffer ihre gesamte Forschungsarbeit auf das Studium jener von Zivilisationseinflüssen unberührt gebliebenen afrikanischen Ureinwohner ...

Diese Empfehlung hat Frau Pfeffer unendlich viel Vorteile gebracht; denn abgesehen davon, daß ihr alles Material aus den englischen Archiven zur Verfügung gestellt wurde, das irgendwelchen Wert für sie haben konnte, informierte er auch sämtliche Distrikt-Offiziere in Kamerun und Nigeria und bereitete sie auf die Durchreise der Forscherin vor.

Ganz Nigeria und ein Drittel des ehemaligen deutschen Kamerun unterstehen bekanntlich der englischen Regierung. Das Land ist in Bezirke eingeteilt, von denen ein jeder etwa der Größe der Mark Brandenburg entspricht, und jeder dieser Bezirke wird von einem sogenannten District-Officer verwaltet. Der Engländer nennt Westafrika »No white man's country!« Der Grund dazu liegt in erster Linie in den ausserordentlich ungünstigen klimatischen Verhältnissen. Hinzu kommen die Krankheiten: Malaria, Schwarzwasserfieber, Dysenterie und Gelbfieber. Die englischen Regierungsbeamten bleiben im allgemeinen achtzehn Monate draußen. In sehr vielen Fällen bekommen sie schon nach Ablauf eines Jahres sechs Monate Heimaturlaub, um sich von den Krankheiten und den ausgestandenen Strapazen zu erholen. Man sagt, daß nach neun Monaten bereits die Europäer nur mehr in der Lage sind, die Hälfte der anfangs geleisteten Arbeit zu schaffen. Aus diesen Überlegungen heraus, die zur Genüge klarlegen, daß Westafrika auf keinen Fall ala Ansiedlungsgebiet für die europäische Überbevölkerung in Frage kommen kann, ist England bestrebt, die Eingeborenen dieser Gegenden zu einer derartigen Selbständigkeit zu erziehen, daß sie sich eines Tages vollständig selbständig verwalten können. Der Handel, die Ausnutzung der ...

Im November 1927 brach sie endlich auf. Sie fuhr mit einem kleinen Frachtdampfer, der für diese Fahrt etwa fünf Wochen brauchte, bis nach Victoria in Britisch-Kamerun. Von Victoria aus ging es weiter nach Bamenda, dem eigentlichen Aufbruchsort der Expedition. Von dem, was nun folgt, wird sie selber erzählen ..."

Erhaltungszustand

guter Zustand, geringe Gebrauchs- und Alterungsspuren - Leinen an den beiden Deckelecken gering durchgewetzt - Seiten überwiegend sauber und ordentlich, aber immer wieder auch mal etwas stockfleckig - Seiten teils leicht eselsohrig