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Seitenpfade um Saas-Fee

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"... Man kann Rousseau vielleicht den geistigen Urheber der ersten Alpen-Großtat nennen: der Ersteigung des Montblanc im Jahre 1787. Die Ersteiger des Montblanc hatten kuriose Vorgänger, die Herren Windham und Pococke, die sich im Jahre 1741 nach unendlichen Vorbereitungen und nachdem sie ihr Testament in Chamonix hinterlegt hatten, mit 11 Begleitern auf den 2000 m hohen Montanvert und auf das Mer de Glace wagten. Ihr Reisebericht war eine wirksame Werbeschrift für die Westalpen, die sie für England entdeckten. Wir erfahren aus ihm, daß die Bergsteiger mit Schuß- und Hiebwaffen bewaffnet waren — vielleicht für den Fall, daß sie dem draco montanus begegnen würden — und daß sie, nach dem mit unglaublicher Schwierigkeit (incredible difficulty) zu Ende geführten Ausfluge, der übrigens längst schon zum Spaziergange bequemer Kurgäste aus Chamonix geworden ist, mit maßlosem Staunen im Tal empfangen wurden.

Waren alle alpinistischen Unternehmungen von Rom bis zu Rousseaus Zeiten entweder nur bescheidene Tastversuche, die Vorregionen der Hochalpen kennen zu lernen, ,,sentimentale Reisen" oder bestenfalls botanische und mineralogische Exkursionen auf bergiges Gebiet, so bedeutet der Tag der Ersteigung des Montblanc durch Saussure, der 3. August 1787, das Datum der wirklichen Erschließung der Hochalpen.

Der bergbegeisterte große Naturforscher Horace Bénédicte Saussure war nicht der erste Ersteiger des Montblanc. Balmat hatte am 8. August 1786 ganz allein und dann noch einmal mit dem Dorfarzt Pacard den Montblanc bezwungen; aber auch diese Ersteigung war das Verdienst Saussures, der schon im jahre 1760 einen Preis auf die Auffindung eines Weges auf den Montblanc ausgesetzt hatte. Daß Saussure bei seiner eigenen Montblanc-Ersteigung vier Stunden auf dem Gipfel mit physikalischen Experimenten zubrachte, ist, nach den Mühen der Ersteigung, die ihm wohl selbst als eine fast übermenschliche Leistung vorgekommen sein muß, mehr als ein Beweis seines wissenschaftlichen Ernstes: Beispiel einer bewunderungswert mutigen Hingabe an die Sache des Alpinismus, deren wirklicher erster Vertreter er war.

Aber es dauerte noch fünfzig Jahre nach der Erschließung des Montblanc-Gebietes, bis die Saaser Berge der Schauplatz eigentlicher Hochtouren wurden. Im Jahre 1848 waren das Ulrichshorn, in den Jahren 1854-58 das Strahlhorn, die Weißmies und der Dom zum erstenmal erstiegen, und im Jahre 1865 war mit der tragisch verlaufenen Erstersteigung des für unbezwingbar gehaltenen Matterhorns durch Whymper der Bann endgültig gebrochen, der den Menschen von den Gipfeln der Hochalpen schied.

V

BERGESVERSTÄNDNIS IM ORIENT UND OKZIDENT

Die Tatsache, daß in Europa erst die neueste Zeit die Schönheit der Bergwelt entdeckte, und daß man bei den großen Malern der italienischen Renaissance noch vergeblich nach der Darstellung eines Berges sucht, mutet kurios an, wenn man weiß, daß in China schon im ersten Jahrtausend unserer Zeitrechnung Künstler Hochgebirgslandschaften schufen in einer vollendeten Auffassung ihres malerischen Reizes, die im Abendlande wohl nie ihresgleichen fand. Es war ein vorzüglicher Schweizer Maler, Conrad Witz, der sich als erster Abendländer an die Darstellung von Bergen und Felsen, wenn auch nur als Hintergrund seiner Szenen aus der Heiligen Geschichte wagte. Aber man vergleiche die hölzernen Felskulissen in Conrad Witz’ sonst so eindringlich schönem Christophorus im Basler Museum mit einer achthundert Jahre früher gemalten felsigen Landschaft des Wang Wei, von dessen Werk ,,Landschaften des Wang Chuan" das Britische Museum eine prachtvolle Kopie besitzt. Daß für den Chinesen erst die Berge eine Gegend zur malerischen oder schönen stempeln, geht aus dem ..." 

Erhaltungszustand

sehr guter Zustand, geringe Gebrauchs- und Alterungsspuren - Einbandecken gering abgenutzt - Adressstempel auf dem Titel