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Meine Erholungstage in Grund bei Mohorn

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  • Verlag: Selbstverlag
  • Autor:
  • Erstausgabe 1918
  • 16 Seiten mit 6 Illustrationen vom Autor
  • Bindung / Material: Kartoniert
  • Sprache: de

Meine Erholungstage in Grund
Ferienerinnerungen an den Aufenthalt in dem Gebr. Arnhold'schen Erholungsheim in Grund bei Mohorn (Sa.)
Sommer 1918
den lieben Kollegen und Kolleginnen gewidmet
von Albert Lübke, Muskau (O.-L.)

Druck bei Johannes Pässler, Dresden

"Sie haben also das Rundschreiben des Gebr. Arnhold'schen Pensionsvereins über das seinen Versicherten zur weitgehendsten Benutzung zur Verfügung gestellte neue Pensionsheim in Grund bei Mohorn in Sachsen gelesen und ich empfehle Ihnen angelegentlichst, Ihren bereits bewilligten Erholungsurlaub dortselbst zu verbringen. Zweifellos werden Sie da nicht nur wohnlich gut untergebracht sein, sondern auch eine dem Erholungszweck entsprechende Beköstigung erhalten, was ja heute von ganz besonderem Werte ist. Nun leben Sie wohl und lassen Sie sich Ihre Ferientage bestens bekommen!« Mit diesen freundlichen Worten verabschiedete mich mein Chef, dem ich für die überraschende Urlaubsgewährung, welche ohne Antrag meinerseits erfolgt war, herzlichst dankte, um darauf in froher Ferienstimmung meinen heimatlichen Penaten zuzueilen und alle Vorbereitungen für einige Wochen Landaufenthalt zu treffen. Dabei beschäftigte ich mich unausgesetzt mit der Frage: Was mag dieses Dörfchen »Grund« wohl nur für ein weltabgeschiedenes Nest sein, und was kann wohl das Pensionsheim seinen Gästen in der Zeit der chronischen Nahrungsmittelnot Besonderes an Verflegung bieten?

Ich faßte deshalb den recht eigensüchtigen Vorsatz, daß ich, wenn meine Annahme zutreffend sein sollte, in Grund nur eine kurze Gastrolle geben wollte, denn ich sagte mir, Hungerferien können ebensowenig Körper und Geist auffrischen, als wie Ferienhunger; also versuchen wir es. Und wie fiel meine Gastrolle dort aus; ich wünschte, ich hätte diese noch um einige Wochen verlängern dürfen. Doch nun weiter! Der Tag der Reise rückte schnell heran. Die Wetterlage ließ vermuten, daß diese bei gutem Wetter vom Stapel gehen würde, aber es kam anders. Strippenregen und Dunst war der Aufakt zu meiner Ferienreise, doch ich ließ mich durch diese unwillkommene Störung von meinem Programm nicht abbringen und reiste, begleitet von den herzlichsten Wünschen und dem Lebewohl meiner Angehörigen, welche mich bis zum Bahnhof begleitet hatten, nach dem schönen Sachsenlande ab. Es regnete, regnete ohn’ Unterlaß, und ich kam deshalb auf den Gedanken, daß ich wohl das Gegenteil von einem Engel sein müßte, da doch der Volksmund sagt: »Wenn Engel ausfliegen, gibt es schön Wetter«. In Dresden gab es noch einmal einen ganz obligaten Trommelregen, doch als ich in Potschappel die mich nach Herzogswalde führende Zweigbahn bestieg, lächelte Mutter Sonne, wenn auch zeitweise noch durch Dunstschleier getrübt, in mein Wagenabteil freundlich hinein ..."

Erhaltungszustand

sehr guter Zustand, geringe Gebrauchs- und Alterungsspuren - Umschlagecken leicht abgenutzt