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Meissner Porzellanplastik des 18. Jahrhunderts in der Ermitage

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Meissner Porzellanplastik des 18. Jahrhunderts - Die Sammlung der Ermitage

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vorrangig in russischer, aber auch in deutscher Sprache

"Die Sammlung der Meißner Porzellanplastik der Ermitage, eine der bedeutendsten in der Welt, „ ist äußerst vielfältig und reichhaltig. Anhand der Ausstellungsstücke kann man sich eine klare Vorstellung von der Entwicklung der Meißner Porzellanskulptur seit der Gründung der Manufaktur bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts machen. Besonders umfangreich sind die Erzeugnisse aus der Mitte des 18. Jahrhunderts vertreten, als eine größtmögliche Anzahl von Modellen entstand. Die Leningrader Sammlung der Meißner Porzellanplastik formierte sich im Laufe von mehr als zwei Jahrhunderten. Sie nahm ihren Anfang, als in den Winterpalast, zusammen mit dem Andreas-Orden-Service, einem Geschenk Augusts III. an die Zarin Elisabeth, Porzellanfiguren und -gruppen gelangten, die zum Schmuck der Galatafel bestimmt waren. Viele dieser Plastiken blieben bis in die Gegenwart erhalten und werden in der Ermitage aufbewahrt.

Die Porzellankollektion des Winterpalastes — ein Teil wurde seit 1910 in der Kaiserlichen Ermitage ausgestellt — erhielt bedeutende Zugänge nach der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution. Die großartige Sammlung aus dem ehemaligen Stieglitz-Museum, erstklassige Stücke aus dem Museum der Gesellschaft zur Förderung der Künste, desgleichen Porzellan aus den Privatsammlungen von A. Dolgorukow, F. Uteman, F. Paskewitsch, A. Fabergé, K. Somow, der Familien Stroganow, Jussupow u. a., vervollständigten den umfangreichen Bestand der Meißner Kollektion. Auch gegenwärtig wird sie durch viele interessante Kunstgegenstände der Meißner Porzellanskulptur bereichert, die teilweise auch von Privatpersonen durch die Ankaufskommission der Ermitage erworben werden.

Die Meißner Manufaktur ist nicht nur das erste europäische Unternehmen, das Hartporzellan herstellte, sondern nimmt in bezug auf die Anzahl der hergestellten Modelle auch den ersten Platz unter den Porzellanproduzenten ein. Gerade hier entwickelte sich die eigentümliche Richtung, die in sich die Elemente der Plastik und der eigentlichen angewandten Kunst vereinte, welche auch später eine große Verbreitung in anderen europäischen Porzellanmanufakturen fand. Die Kleinplastiken wurden in Meißen bereits in der Böttger-Periode (1710-1719) angefertigt, allein zu dieser Zeit war ihre Anzahl noch sehr gering. In der Sammlung der Ermitage ist diese Periode nur durch eine Kinderbüste aus rotem Steinzeug gekennzeichnet (Kat.-Nr. 1). 

Eine großangelegte Produktion von Porzellanplastiken beginnt in Meißen in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts, bedingt durch den Auftrag Augusts II., der sein Japanisches Palais in Dresden mit Porzellanerzeugnissen zu verzieren wünschte. Im Erdgeschoß des Palais sollten chinesische und japanische Porzellansammlungen angelegt werden, im ersten Stockwerk Erzeugnisse aus der Meißner Manufaktur, darunter große — einige sogar in Lebensgröße — angefertigte Figuren verschiedener Tiere und Vögel, Vasen u. a.

Der Stolz der Leningrader Museumssammlung ist die Figur des Apostels Petrus, die von dem Modelleur Johann Gottlieb Kirchner 1732 für die Schloßkapelle angefertigt wurde (Kat.-Nr. 2). Dieses Stück ist ein Unikat: Die gleiche Apostelfigur, die sich früher in Leipzig befand, wurde während des 2. Weltkrieges zerstört. Kirchner fertigte in Meißen nicht nur große Figuren an, sondern auch Uhrgehäuse, Kerzenhalter, Tischfontänen (Kat.-Nr. 3) u. a. Wahrscheinlich entstanden auch kleine Plastiken von der Hand des Künstlers. Die kleine Figur, wohlmöglich Neptun, leicht ihrem monumentalen Aufbau und lakonischen Ausdruck nach anderen Werken Kirchners (Kat.—Nr. 4). Die Arbeiten des Meisters zeigen bereits den Ansatz jenes neuen, von der Nachahmung der chinesischen und japanischen Muster befreiten europäischen Stils der Porzellanplastik, der in der Meißner Manufaktur sich herausbildete. Allein die endgültige Formierung dieses Stils ist mit dem Namen eines anderen Modelleurs, Johann Joachim Kaendler, verbunden. Die ersten von ihm geschaffenen Meißner Porzellanerzeugnisse waren ebenfalls für das Japanische Palais bestimmt. In der Sammlung der Ermitage befindet sich eine dieser Arbeiten, Krähender Paduaner Hahn (Kat.-Nr. 298) ..."

Erhaltungszustand

sehr guter Zustand, geringe Gebrauchs- und Alterungsspuren