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Wanderungen und Bilder in und aus Küstenland, Krain, Istrien ...

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Deutsches Alpenbuch (4. Band)
Zweite Abtheilung: Die Ost-Alpen
2. Band
Wanderungen und Bilder in und aus dem österreichischen Küstenlande, Krain, Istrien und benachbarte Alpengebiete

"Ich habe schon bei Besprechung des Dolomit-Gebirges im Allgemeinen gesagt, daß in die hellgrauen Massen der südlichen Kalkberge sich Tirol, Kärnten, Krain und Küstenland theilen. Es ist also keineswegs nothwendig, nach Gröden oder Ampezzo zu gehen, um »Dolomit-Berge« zu sehen. Die Bewohner der drei letztgenannten Länder können solche Berge auch in ihrer eigenen Heimath finden, und zwar am mächtigsten dort, wo die Grenzen derselben einander sich und denen Venetiens am meisten nähern, nämlich in der Nähe des Predil-Passes.

Ich meine die Berge, die zwischen der obersten Wocheiner Save, den Isonzoquellen und der Fella, dem Zuflusse des Tagliamento, liegen und aus welchen Triglav, Wischberg und Monte Canin als gewaltige Erhebungen hervorragen. Es sind Berge, die über Thäler schauen, in welchen die Menschen drei Sprachen sprechen.

Dort unten, zwischen dem Predil und Görz, hat jedes Dorf drei Namen: einen deutschen, slawischen und italienischen. Die meisten Leute vermögen den Wanderer in drei Zungen zu begrüßen.

Peters und Stur, die Geognosten, sagen, daß keine Gegend der nördlichen Kalkalpen sich an Wildheit und Zerrissenheit mit diesen Felswüsten messen könne. Dabei halten sie an der wirkungsvolleren Schönheit jener nördlichen Gebirge fest. Ich unterschreibe dieses Urtheil. Aber eben diese Wildheit war es, die mich an einem Maientage aus Görz fortlockte, wo bereits ein sommerlicher Frühling in den Gärten blühte.

Der Weg, der von Süden her gegen den Predil führt, beginnt erst bei Karfreid-Caporetto-Kobarid das Aussehen einer Hochgebirgslandschaft anzunehmen.

Was das Aussehen der menschlichen Wohnungen anbelangt, so erscheint auf den ersten Blick unter dem dreisprachigen Einfluß der slawische vorherrschend. Dörfer wie Serpenica, Saga u. s. w. bis Flitsch hin unterscheiden sich wenig von gleich großen Ansiedelungen in Krain oder Slawonien. Schauen wir uns beispielsweise Tarnova (Dorndorf) an. Da stehen die unsauberen Häuschen, die nur ein Erdgeschoß und schwarze Strohdächer haben — drinnen keine Kamine, kein Rauchabzug — dunkel wie in einer schlechten Sennhütte. Das ist ein Typus von Wohnungen, der sich in allen Slawenländern, von Böhmen an bis hinab nach Dalmatien, wiederfindet. Rasten wir dort in einer Schenke. Vielleicht nimmt die Wirthin lange Zeit keine Kenntniß von uns, weil sie mit Ferkeln scherzt, die in der Gaststube herumlaufen. Solche Vertraulichkeit ist eine Eigenthümlichkeit der Slawenstämme, die noch mehr mit der Natur zusammenhängen, als andere Arier.

Der Mai heißt zwar bei den Slowenen veljiki traven, d. h. der ,,große Grasmonat«, aber an jenen Maientagen war in diesen rauhen Gebirgen längs des Isonzo noch wenig von Wachsthum zu sehen. Der Winter war hart und andauernd gewesen. Wohl sah man in der Thalsohle manch blühenden Baum, aber die Buchen oben standen noch fuchsroth im Schnee und einzelne Lawinenreste reichten schier bis zur Straße herunter.

Allerdings verkündete der Kuckuck den Frühling, aber er sang sein Lied über einem Grunde, den noch das Wasser des Schnees durchfeuchtete, welcher erst vor wenigen Tagen von ihm verschwunden war.

Das wilde Bergland scheint dem Wachsthum an und für sich schier ebenso gefährlich zu sein, als die Axt des Menschen.

Steinig und steil ist der Boden — deshalb gewahrt man wenig Rinder als Zugthiere und die wenigen sind klein und armselig. Klein sind sogar die Erdäpfel, die in diesen Schottergründen gedeihen. 

Der malerische Typus der Landschaft bis zum Predil hin wiederholt sich in seinen Hauptzügen.

Unten in Klammen oder grauen Felsschluchten rauscht der Isonzo, blau wie alle Wasser der Kalkalpen. Darüber hin erheben sich steile Wände, die Mulden sind mit Lawinenüberresten vollgestopft. Allenthalben breiten sich Geröllansammlungen und Schotterhaufen als Zeichen der Waldverwüstung aus.

Anf dem weißen Grunde, der einst hoch oben moos- und farnkrautbewachsener, von Buchen und Lärchen beschatteter Waldboden war, der aber jetzt, herabgeschwemmt, unten neben dem Flusse zum weißen Kalksplitterhaufen geworden ist, suchen sich jetzt Schafe — ihr Geruch wird vom Wind ans andere Ufer hinüber geweht — Grashalme. Gleichwohl, trotz der Lehre, welche der blühweiße Schotterhaufen zu geben vermag, poltern noch immer Buchenscheiter über die zerfurchtete und aufgeschundene Halde herab, von Landverderbern in die Tiefe geworfen.

Oft führen Brücken über Bachbetten, in denen kein Wasser rinnt. Wände legen der Straße Riegel vor, so daß man überrascht nach einem Ausweg späht, den endlich ein jäh hervortretender Spalt des Kalkes bietet. Jener Mai war weder ein »Gras«- noch ein Wonnemonat. Zu Flitsch (slaw. Boltsch) lagen alle Hausgenossen der Herberge um den noch stark geheizten Ofen herum ..."

Erhaltungszustand

guter Zustand, geringe Gebrauchs- und Alterungsspuren - Einbandecken und -kanten teils gering abgenutzt - Leinen an Rückenober- und -unterkante teils gering aufgerissen - die ersten 10 Blatt gelegentlich leicht fleckig - restliche Seiten sauber und ordentlich - Papier etwas vergilbt - ca. 15 kleine und ein größeres Eselsohr