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Usch und Thomas im Spielzeugland

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",,Seiffen, Spielzeugmuseum!" rief der Schaffner. Der Omnibus wurde an dieser Haltestelle fast leer. Auch Thomas griff nach dem Koffer. Da wußte seine kleine Schwester Usch, daß sie am Ziel ihrer Reise waren: im Erzgebirge, beim Großvater, bei Tante Friedel und Onkel Paul. Tante Friedel erwartete sie schon. ,,Jetzt seid ihr wirklich groß genug", sagte sie, ,,um euch in der Heimat eurer Mutter ein bißchen umzusehen." Wenn die Mutter der beiden Kinder aus ihrer Jugendzeit erzählte, so klang das fast wie ein Märchen. Es wimmelte in diesen Geschichten von allerlei hölzernen Gesellen, gutmütige und bärbeißige gab es darunter. Usch war dieses ,Spielzeugland' bisher so unwirklich gewesen wie die Wälder, in denen Rotkäppchens Großmutter wohnen sollte. Nun ging ihre erste große Reise, die sie und Thomas ohne die Eltern antreten durften, nach Mutters Heimatdorf. Der Omnibusmotor hatte bei den steilen Straßen laut gebrummt. Im Dorf hieß es noch einmal kraxeln, ehe sie am Ziel waren. Als Tante Friedel in einen Seitenweg einbog, erkannte Thomas das Haus. ,,Genau so hat Mutti es immer beschrieben!" Seinen freudigen Ausruf mußte der Großvater gehört haben. Er kam hinter der Hausecke hervor, klopfte sich die Holzspäne von der Jacke und reichte den Kindern seine große, schwielige Hand.

Das niedrige Gebirglerhaus mit den dunkelbraunen Holzschindeln am Giebel war so ganz anders als die Häuser in der Stadt. Mit der Rückseite lehnte es am Berghang, und man hätte ohne Mühe durchs Fenster in die Stube steigen können. Nach dem gemeinsamen Abendbrot in der Wohnküche öffnete der Großvater eine Tür, zog Thomas mit sich und winkte Usch zu. Überrascht rief Thomas aus: ,,Do sind sie ja!" Hastig glitt Usch von ihrem Sitz und drängte sich neugierig am Großvater vorbei. Tatsächlich — da waren sie alle, die hölzernen Gesellen aus den Erzählungen der Mutter, aufgereiht auf Wandborden und auch noch in einem altertümlichen Glasschrank: eine kunterbunte Märchenparade.Wer war der Prächtigste von ihnen? Natürlich der Nußknackerkönig in Lackstiefeln und gelben Hosen. Der Bärbeißigste war der blaubefrackte Stadtsoldat mit dem Schwert an der Seite, ebenfalls aus der Familie der Nußknacker. Würdig, voll freundlicher Ruhe, wirkte der Bergmann dagegen, sanft und gütig der Lichterengel, der merkwürdigerweise eine Schürze trug. Am gemütlichsten sahen die Räuchermänner aus, die Briefträger, Holzsammler und Hausierer. Thomas sah den Großvater fragend an. ,,Die hast du alle gemacht?" Großvater schüttelte den Kopf. Behutsam nahm er einen Räuchermann, dessen Farben schon verblichen waren, aus dem Schrank. ,,Der ist mir der Kostbarste von allen. Er ist älter als wir alle drei zusammen. Mein Großvater hat ihn gemacht, den Rastelbinder."

Bei Großvater ist es wirklich wie in der Bastelstube des Weihnachtsmanns, dachte Usch, als sie am Morgen einen Blick in die Werkstatt werfen durfte. Großvater schmunzelte. ,,Das Spielzeugland ist ein bißchen größer als diese vier Wände. Kommt mit, ich muß Farben bestellen. Vielleicht entdecken wir unterwegs noch manches, was neu ist für euch." — So ein Dorf hatten die Kinder noch nie gesehen. Hier saßen auf jedem Wegweiser bunte Holzfiguren ..."

Erhaltungszustand

guter Zustand, geringe Gebrauchs- und Alterungsspuren - Einbandecken und teils auch die Kanten gering abgenutzt - 7 der schwarzen Bilder von Kinderhand mit Buntstift ausgemalt - auf 2 der Farbtafeln teilweise die Umrisse mit Bleistift nachgezogen (vollständig wegradiert - kleine oberflächliche Beschädigungen durchs Radieren)