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Alpenländische Bauernspiele

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"An unserem turnerischen, oder wenn man lieber will, sportlichen Zeitbild ist der Geschäfts- und Maschinensinn ein häßlicher Fleck. Wir sind so weit gekommen, daß das Spielen ein Beruf oder Geschäft zu werden droht, während andere Leibesübungen eine Art von Ingenieurkunst voraussetzen. Das sind ungesunde Wege, auf denen wir nicht weitergehen dürfen. Leibesübungen müssen ein froh bewegtes Spiel bleiben, um Volkssitte zu werden.

Den Blick für lebendig gewachsene Leibesübungen im Gegensatz zu solchen, die mit dem Verstand ausgeklügelt wurden, gewinnt man wieder, wenn man Kinder bei ihren Spielen beobachtet, oder Bauern, in denen Ueberlieferung und Brauchtum ungebrochen leben. Solche Beobachtung ist aber weit schwerer als mancher glaubt; eine Wanderung über Land tut’s nicht und sogar manch einer, der lang unter Bauern lebte, aber nicht mit ihnen, sieht und erfährt nichts von ihren Spielen.

Dies Buch zeichnet nun eine prächtige Auswahl von österreichischen Bauernspielen auf. Wer darin blättert, wird bald merken, daß Verfasser und Zeichner nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen ein urwüchsiges Stück Volksleben eingefangen und dargestellt haben. Aber wer erst versucht hat, mit jungen, echten Menschen diese Spiele auszuführen, der wird die derbe Kraft, den Frohsinn und die Schalkhaftigkeit staunend erfahren, die daraus strömt. Es ist der gleiche Quell, aus dem das Volkslied entsprang, das Märchen, das Volksschauspiel und der Volkstanz, dem wir dies reiche, gesunde Kraftspiel danken. Die vielen natürlichen, unbefangenen und jungen Menschen in Stadt und Land, denen das Buch in die Hand kommt, die werden es sicher richtig verwenden und erleben. Die Fachmänner haben es oft innerlich viel schwerer, und sie bitte ich herzlich: Sucht nicht wiederum nur nach neuem Turnstoff oder gar nach Bühnennummern, sondern laßt den Geist auf euch und eure Arbeit wirken, lernt Volksart verstehn und macht sie in euren Schülern lebendig. Das ist die Turnerneuerung, die wir am dringendsten brauchen.

Ein Stück deutsches Volksgut ist in diesem Büchlein niedergelegt. Spiele, welche natur- und heimatverbundene Menschen erfanden und erlebten, weil es sie drängte, ihre Freude am körperlichen Können zum Ausdruck zu bringen, weil sie nach ihrer Art froh sein wollten ohne bezahlte Spaßmacher und ähnlichen äußerlichen Ersatz unserer Zeit.

Wir mussen schon ein gut Stück von der Großstadt weg wandern, um solche Spiele noch zu finden, lebend zu finden und sie uns nicht nur aus den Erzählungen der Alten zusammenreimen zu müssen. 

Tief drinnen in den engen Bergtälern, an der Grenze von Fels und Eis und in den stillen, dunklen Wäldern unserer Heimat finden wir noch solche Art des Frohseins. Da gibt es Menschen, welche noch so recht aus frohem Herzen spielen können, die haben noch rechte Freude in der Geselligkeit. Hei, wie geht’s da oft lustig zu an Sonntagen und auch am gewöhnlichen Werkeltag nach Feierabend, wenn die jungen Leut' auf der Wiese vor dem Dörfchen zusammenkommen und spielen. Diese Wiese hat oft noch ihren alten Namen Spielanger aus früheren Jahrhunderten herübergerettet. Wenn’s draußen recht trüb und ungemütlich ist, oder im Winter die Nächte lang werden und weicher Schnee alles schön zugedeckt hat, dann kommt von den Nachbarhöfen alt und jung in einer großen, warmen Stube zusammen, um gemeinsam zu arbeiten. Solche Arbeit gibt’s ja genug, Brecheln, Spinnen, Federnschleißen, Kukuruzknüpfen, Stricken, die Mannsleut basteln und schnitzen an den Holzgeräten herum, und so gäbe es noch eine Menge aufzuzählen. Der Alte auf der Ofenbank erzählt Geschichten, dann hebt eins mit einem Lied an, oft ein recht altes Lied, und alle singen’s gern, können es immer wieder neu erleben, weil es eben tief in der Seele unseres Volkes wurzelt. Ja, wenn dann noch in der Mitte der Stube platz gemacht wird für lustige Spiele, in denen die Burschen ihre Kraft und Geschicklichkeit aneinander erproben, dann wird’s erst recht schön. Und wie die Leut’ lachen, wenn einer bei einem Aufsitzer recht draufgezahlt hat und ein dummes Gesicht macht, um dann aber selber über den gelungenen Scherz mitzulachen. Sagt einmal einem alten Mühlviertler das wort ,,Rockaroas« (das ist dort die Bezeichnung für so eine Art geselliger froher Arbeit), da werdet ihr schauen, wie die Augen lachen, wenn er an solche Stunden denkt. Nach solchem Beisammensein wurde der größte Teil dieser Spiele aufgeschrieben. Sie wurden gedruckt und mit Bildern versehen, aber nicht nur um sie lesen und begucken zu lassen, sondern damit sie gespielt werden und dieselbe Freude hervorrufen, aus der sie gekommen sind ..."

  • Über einen Span hüpfen
  • Mit dem Kopf an die Wand, mit den Füßen drei Schuhlängen zurück
  • Über die Stange pfeifen
  • Unter der Mölz durchschliefen
  • Kreuzer aufheben
  • Zweck aus der Tür ziehen
  • Stock hinaustragen
  • Löffel aufheben
  • Kreuzer außerhupfen
  • Licht anzünden
  • Mühlfahren
  • Schlüsselabschlagen
  • Sein eigenes Maß herunterschlagen
  • Stücki Brein leid’s nit
  • Lichtabschlagen
  • Hutabschlagen
  • Das Kerzenauslöschen
  • Schär aus’m Loch stiern oder Zecherln
  • Nußpecken
  • Messer in den Boden stecken
  • weitere 97 Spiele

Erhaltungszustand

sehr guter Zustand, geringe Gebrauchs- und Alterungsspuren - Einbandecken gering abgenutzt