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Der Ruhrbergarbeiterstreik von 1905

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"Es gibt kaum einen Streik in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung vor 1914, mit dem sich eine so große Fülle von Broschüren und Aufsätzen auseinandersetzt, wie den Ruhrbergarbeiterstreik von 1905. Abgesehen von den zahlreichen Darstellungen in Zeitschriftenaufsätzen und in Büchern lagen dem Verfasser fünfzehn Broschüren vor, die sich ausschließlich mit den Ereignissen vom Januar und Februar 1905 im Ruhrgebiet beschäftigen. Sie wurden von sozialdemokratischen, christlichen und Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaftsführern sowie von Vertretern der Ruhrmagnaten angefertigt.

Das Studium der verhältnismäßig zahlreichen Spezialliteratur ermöglichte es aber nicht, den Streik der Ruhrbergarbeiter in seinem vollen Umfange zu würdigen. In allen zeitgenössischen Abhandlungen zu diesem Thema fehlt eine wahrheitsgetreue Schilderung des opferreichen und mutigen Kampfes der Ruhrbergarbeiter gegen die mächtigen Ruhrmonopole. Das Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, ,,Vorwärts“, beschäftigte sich sehr ausführlich mit den parlamentarischen Aktionen der Partei in bezug auf den Streik. Die großen Protestaktionen der Ruhrbergarbeiter gegen das Abwürgen des Kampfes durch die opportunistischen Partei- und Gewerkschaftsführer behandelte der ,,Vorwärts“ jedoch nur in einigen Nebensätzen. Die deutsche Arbeiterklasse sollte über die wahre Lage im Ruhrgebiet nicht unterrichtet werden. Auch in der Folgezeit wurde von den rechten Gewerkschaftsführern ständig versucht, die große geschichtliche Rolle der Massen zu vertuschen und herabzumindern ...

In der westdeutschen Literatur nach 1945 beschäftigt sich nur das Buch von Walter Neumann ,,Die Gewerkschaften im Ruhrgebiet" mit dem behandelten Thema. Aber auch dieses Buch unterscheidet sich wenig von den anderen Darstellungen des Ruhrbergarbeiterstreiks von 1905. Der Kampf der Ruhrbergarbeiter gegen die Gewerkschaftsführer, die sich bemühten, den Streik abzuwürgen, bleibt ebenso unberücksichtigt, wie die große Bedeutung der Bildung der Aktionseinheit zwischen sozialdemokratischen und christlichen Bergarbeitern während des Streiks. Wenn Walter Neumann seine an der Oberfläche bleibende Behandlung des Stoffes im Vorwort damit zu entschuldigen sucht, daß ihm nicht das genügende Quellenmaterial zur Verfügung stand, so erscheint dies nicht glaubwürdig, da im Schlußwort zu lesen ist: ,,Es gilt, den Schutt jahrzehntelanger sozialer Kämpfe abzutragen, der noch den Neuaufbau des sozialen Gefüges der Nachkriegswirtschaft hindert. Dazu bedarf es des guten Willens von seiten der beiden sozialen Partner, der Unternehmer und der Arbeiter . . .“

Wer die großen revolutionären Traditionen der deutschen Arbeiterklasse wie Neumann als den ,,Schutt jahrzehntelanger sozialer Kämpfe“ bezeichnet und eine ,,fruchtbare Kooperation der beiden Sozialpartner (der Arbeiter und der Kapitalisten — D. F.) im Interesse eines steigenden sozialen Ertrages“ anstrebt, wird mit dem besten Quellenmaterial nicht in der Lage sein, eine wissenschaftliche Darstellung der Ruhrbergarbeiterbewegung zu geben.

Infolge der unzureichenden und gefälschten Literatur ergab sich für den Verfasser die Notwendigkeit eines verstärkten Studiums des vorhandenen Archivmaterials über diese Frage. Hierbei handelte es sich vor allem um Akten aus den Beständen des preußischen Ministeriums des Innern und des Polizeipräsidiums zu Berlin. Nur mit Hilfe dieser Quellen war es möglich, einen Teil der Probleme zu lösen, die sich bei der Erforschung der Geschehnisse im Ruhrgebiet in den beiden ersten Monaten des Jahres 1905 ergaben und auf die von den anderen Quellen keine Antwort gegeben wurde.

Die Spaltung Deutschlands machte es unmöglich, das westdeutsche Archivmaterial über diesen Streik durchzuarbeiten. Von großer Bedeutung wäre eine Sichtung der Archive des Vereins für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund, des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats und der einzelnen Bergwerksgesellschaften gewesen. Soweit die genannten Archive aber nicht während des zweiten Weltkrieges vernichtet wurden, befinden sie sich in den Händen der westdeutschen Monopolisten, die einer Erforschung der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung feindlich gegenüberstehen ..."

  • Die Konzentration der Produktion und des Kapitals im Ruhrbergbau
  • Die Lage der Ruhrbergarbeiter in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts
  • Die deutsche Sozialdemokratie zu Beginn des 20. Jahrhunderts
  • Die gewerkschaftlichen Organisationen der Bergarbeiter im Ruhrgebiet
  • Zur Vorgeschichte des Streiks
  • ,,Wir warten nicht mehr! Wir streiken!"
  • Die Verwirklichung der Aktionseinheit der Arbeiterklasse während des Streiks
  • Scharfmacher am Werk
  • Die Massen kämpfen — die Führer verhandeln
  • ,,Liberale“ Methoden
  • Die internationale Solidarität der Arbeiterklasse
  • Der Abbruch des Ruhrbergarbeiterstreiks durch den Verrat der rechten Gewerkschaftsführer
  • Die Haltung der Massen zum Abbruch des Streiks
  • Folgen und Bedeutung des Ruhrbergarbeiterstreiks von 1905
  • Anhang
  • Benutzte Quellen und Literatur
  • Personenregister

Erhaltungszustand

guter Zustand, geringe Gebrauchs- und Alterungsspuren - vom Schmutztitel wurde die untere Ecke wegen einem Namen oder Stempel abgerissen - selten blaue oder rote Anstreichungen oder Anmerkungen - Vorwort unten 2 cm eingerissen