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Beschreibung eines Kampfes

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Erzählung
nummeriertes Exemplar (Nr. 591 von 700 Exemplaren)

"Wie einzelne Kieselsteine, über ein breites Bachbett gestreut und aus dem Wasser ragend — nie sicher, ob ein Schwall von ungefähr sie überspülen werde —, so erscheinen dem Leser der «Beschreibung eines Kampfes» die seltenen, aber auch dann nicht untrügerischen Wirklichkeitsbezüge in einer der phantastischsten Erzahlungen Kafkas. Unvollendet, aber vollendet in einer traumwandlerischen Reife des 20jährigen — aber auch posthum zur Vernichtung bestimmt wie alles unveröffentlichte Schrifttum —, wiederentdeckt von Max Brod, der von ihm sagte «das erste Werk, das Kafka mir vorlas», ein Selbstgespräch — sprunghaft und führungslos wie dieses, aber doch gestaltet durch hintergründige Klänge und Rhythmen eines seismographisch beobachteten Innenlebens. Selbst Sprache und Diktion ist, wie die Handlung — so es eine gibt —, von auflösenden Mächten zerzaust und im Kampfe mit den Trugbildern des Gewohnten, Geordneten, Versichernden. Im Kampfe dieser Beschreibung gibt es keine Entscheidung, wie es auch kein erzählendes Ende geben kann.

Text und Illustrationen — so es solche sind — muten uns an wie Momente der Begegnung zweier verwandter, aber autochthoner Schöpfungen. Schon die Wahl einer so «unbeschreiblichen» Erzählung erhellt die Nähe der Charaktere. Hansjürg Brunner erlebt — durch den Spiegel des eignen Temperamentes hindurch — einen Kafka, der in kaum einer anderen Erzählung sich so unmittelbar dargestellt hat; in den Bildern ist das silhouettenhafte Profil mit den Zügen des Künstlers ebenso allgegenwärtig wie das Ich in der Dichtung. Und von Kiesel zu Kiesel, hier verharrend, dort überspringend, dank ihrer Zufälligkeit und Streuung ohne Zwang und Richtung, suchen sich die Bilder den Weg des Gestaltbaren durch den Fluss von Irrwelt, Tagtraum und Selbstdialog. Sie sind, wie die Kapitel, autonom — sind Reflexionen oder Reflexe, die dem Geist des Nacherlebenden alle Wege der Selbsterkenntnis, des Deutens und Weiterspinnens offenhalten.

Sind es in der Erzählung Inhalt und Zeit, die sich verstricken, dehnen oder vernichten, so sind es in der Sprache Brunners Form und Raum. Was sich an Verlorenheit, Furcht und Ohnmacht vor den Zumutungen und Torheiten der Welt durch Kafka in Worten niederschlug, findet mit den kaum zu übertreffenden Mitteln des Linolschnittes in gähnenden Perspektiven, steilen Horizonten, im dämonischen Sturzflug der Schattenfiguren und dem Stakkato greller Lichter seinen bildhaftesten Ausdruck. Wie schon Kafkas «Prozess» und die «Schwarze Spinne» von Jeremias Gotthelf, ist die «Beschreibung eines Kampfes» ein in sich gerundeter, formal mit dem Werke verwobener Versuch der Interpretation. Früher Vorgezeichnetes ist nicht nur ausgereift, sondern überrascht und ergreift durch die Fülle der Erfindung und die Grösse der Geste."

Erhaltungszustand

sehr guter Zustand, geringe Gebrauchs- und Alterungsspuren - noch im Schuber