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Roma Aeterna - Eine Wanderung durch Rom

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Collection der "Reiseziele und Erinnerungen"

um 1908 (Verlagswerbung hinten im Buch für 1907)

"Also Mut, und hinein in den Corso, wo uns gleich links (No. 20) eine Gedächtnistafel belehrt, daß hier einst Goethe gewohnt, ,,der Baron gegen Rondanini über“ — wenn‘s nämlich wahr ist; denn die Gelehrten zerbrechen sich über die genaue Lage von Goethes römischer Wohnung noch immer die Köpfe. Aber vielleicht ist gerade dies ein Beweis dafür, daß die ursprüngliche Ansicht die richtige. Hier nebenan wohnte auch des Dichters Egeria, die schöne Malerin Angelica Kauffmann, und im Erdgeschoß des erwähnten Palazzo Rondanini bringt uns eine verunglückte Pieta Michelangelos die Erkenntnis bei, daß selbst unsterbliche Meister sterblich sein können, wenn . . . ihnen der nötige Marmor fehlt. Weiter rechts am Corso die stattliche Kirche San Carlo, die Lieblingsstätte der römischen Fastenprediger und der regelmäßig damit verbundenen antiklerikalen Tumulte; dann das uralte Kirchlein von San Lorenzo in Lucina mit dem schönen romanischen Glockenturm, den famosen Marmorlöwen am Portal und dem Grabmal des arkadischen Malers Poussin. Aber nur wenige Schritte, und wir sind aus der Zeit der frommen Märtyrer zurückversetzt in die Zeit der Caesaren. Unter dem mächtigen Palazzo Fiano hat man neulich die grossartigen Ueberreste der von Augustus errichteten Ara Pacis (Friedensaltar) mit ihren unschätzbaren Marmorrelicfs freigelegt — d. h. natürlich, wie so viel in Neu-Rom, nur zum Teil. Denn im schönsten Moment war das Geld auch zu Ende: es versiegte der Goldquell des Unterrichtsministeriums, das ja — exempla docent — so viel andere wichtigere Bedürfnisse zu befriedigen hat. Und derweilen gönnt man dem hochseligen Kaiser Augustus und seiner Ara Pacis eine angenehme Siesta, bis — nun, bis das Königreich Italien oder ein Mäzen einmal die paar Tausend Lire zur Vollendung der Ausgrabungen spendet. Wo sich links der grosse moderne Palazzo Marignoli mit Roms Cafe Bauer — pardon, Cafe Aragno erhebt, führt die Via Convertite nach der Kirche San Silvestro (berühmt durch ihren alten Glockenturm und die mittelalterlich-historischen Raufereien, deren Schauplatz die Kirche war) und zur Hauptpost. Der bezopfte Dichter Metastaio, der hier in Marmor steht, sorgt dafür, daß der römische Liebesmarkt — denn dies ist die Spezialität des römischen Hauptpostamts — sich durchaus im Rahmen des Galateo, d. h. des italienischen Knigge, bewegt. Zurück zum Corso: Cafe Aragno — fast das einzige, wirklich großstädtische Lokal der Hauptstadt — ist der Mittelpunkt des eleganten und politischen Roms, das sich nach Landessitte, nicht etwa bei Bacchus und Gambrinus- Libationen über Wohl und Wehe des Landes und des lieben Nächsten unterhält, sondern bei einem Täßchen Kaffee zu 25 Centesimi (mit Trinkgeld 30), was zu mehrstündigem Aufenthalt in diesem Eldorado, zur Lektüre der fremden Zeitungen, Einleitung zahlloser (meist Erfolggekrönter) Flirts u.s.w. berechtigt. Eine Generosität, die uns das freudige Bekenntnis entlockt: mehr kann man wirklich nicht verlangen! — Da sind wir auch schon auf der, jedem Römer und Fremdling so teuren, für Rom so charakteristischen Piazza Colonna, die den großstädtischen Bummlern von heutzutage das Forum ersetzt, wo Nachmittags und Abends der faulenzende High-Life Maulaffen feilhält, die vorüberfahrenden Karossen zur Corsozeit begafft, die Damen bekrittelt und ihnen zuwinkt und endlich an lauen Sommerabenden, bei der Illusion von Kühle, den Konzerten des Maestro Vesella, des Wagnerfrohen städtischen Musikdirektors, lauscht. Auf der alten Trajanssäule aber mit ihren antiken Militär-Reliefs, macht St. Paulus, der Bronze-Apostel, seine Glossen über den den Corso entlang pustenden Spuk der Töff-töffs mit ihren gespenstig bebrillten Insassen. Römisches Patriziat, wie hast du dich verändert! (Und zwar — murmelt der alte Herr verstohlen in seinen Bart — mit der . . . amerikanischen Mitgift der modernen Duchesse und Principesse!) Rechts von Piazza Colonna ein ganzes Labyrinth von Geschichte: Auf der Höhe von Monte Citorio, wo die gewaltigsten parlamentarischen Dauerredner der Welt ein Grammophon beschämen, gingen in feierlicher Stille einst Kaiserleichen in Flammen auf und ein paar Schritte davon stieg ..."

Erhaltungszustand

guter Zustand, geringe Gebrauchs- und Alterungsspuren - Leinen an kleiner Stelle der Deckelunterkante durchgewetzt - Einband teils gering und Seitenschnitt stärker stockfleckig - Seiten überwiegend sauber und ordentlich, vereinzelt kleine Stockflecken, die ersten 3 Blatt ein paar wenige mehr, die kartonierten Bildtafeln meist im oberen Drittel etwas stärker stockfleckig - Rücken unten geringfügig gestaucht