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Metallguss - Entwicklung der deutschen Metallgußtechnik - II.Teil: Schmelzen und Legieren

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"Bereits um die Jahrhundertwende vollbrachte das deutsche Gießereiwesen beachtliche Leistungen. Hauptkunde der Gießereien war die Maschinenindustrie, die in stetem und unaufhaltsamem Fortschritt ständig neue und höhere Anforderungen stellte.

Selbstverständlich hatte man damals bei weitem noch nicht den Stand industrieller Reife in der Gießerei erreicht, wie man ihn heute kennt. Man arbeitete in erster Linie noch rein handwerklich. Die Former und Gießer waren Männer, die auf ihren Beruf stolz waren und dementsprechend auch auftraten. Kurz und gut, das Gießereiwesen in Deutschland (schon auf handwerklichen Traditionen aus dem frühen Mittelalter fußend) fühlte sich um die Jahrhundertwende industriell mündig und verlangte, daß die allmächtige Eisenhüttenindustrie, von der es traditionsgemäß bevormundet wurde, ihm eigene Entwicklungswege gestattete. Dazu gehörte vor allem ein eigenes Fachorgan.

Ernst A. Schott war der kühne Bahnbrecher dieser Forderung.

Es erscheint bei der Mentalität der damaligen Zeit selbstverständlich, daß man "dem jungen Manne" wohlwollend zu verstehen gab, das Gießereiwesen sei nicht so wichtig, um eine eigene Zeitschrift zu rechtfertigen. Derzeit bekannte und einflußreiche Verlagshäuser, die sonst der neu aufkommenden
technischen Literatur durchaus nicht abhold waren, standen seinem Antrag auf Gründung einer Gießerei-Fachzeitschrift ablehnend, teilnahmslos oder nicht recht wagend gegenüber. Dennoch setzte er sich durch und muß als einer der Pioniere des deutschen Gießereiwesens angesehen werden.

Schott war aber nicht nur Pionier des deutschen Gießereiwesens schlechthin sondern "Der Pionier" der modernen deutschen Metallgußtechnik im speziellen.

Wer von den älteren Metallgußpraktikern kennt nicht sein grundlegendes, wenn auch dem heutigen Stand nicht mehr gerecht werdendes Werk: "Die Metallgießerei", das er im Jahre 1912 veröffentlichte.

Schott zeigte damals schon dem Metallgießereiwesen seinen besonderen Weg neben dem Eisengießereiwesen, genau wie er zehn Jahre zuvor der gesamten Gießereitechnik die Straße neben der Hüttentechnik wies.

Nachdem sich nun schon seit dieser Zeit die getrennten Fachrichtungen für Eisen- und NE-Metallguß nicht nur in der deutschen Technik sowohl im wissenschaftlichen und praktischen Denken langsam aber zähe durchgesetzt hatten, ist seit 1945 in Deutschland insofern wieder ein Stillstand eingetreten, als man alles was mit Gießerei zu tun hat, am liebsten wieder durch die "Eisengießereibrille" sehen möchte.

Es wird daher höchste Zeit, daß das Gebiet der Metallgießereitechnik eine besondere Behandlung erfährt (schon weil das Gießereiwesen insgesamt - ähnlich wie das Hüttenwesen - viel zu umfangreich wird, als daß es noch von einer Stelle aus technisch völlig übersehen werden kann) und dazu soll die vorliegende Buchreihe dienen, die gleichzeitig das von Schott Begonnene, auf den Stand der heutigen Technik gebracht, fortführen will.

Internationale Fachkritiken zum 1950 erschienenen ersten Band "Die Werkstoffe" waren sehr aufschlußreich. Die Metallgußpraktiker begrüßten das Erscheinen des Buches ausnahmslos, sowohl in Deutschland als auch in den deutschsprechenden Ländern, als auch in Dänemark, Italien und anderen
Nachbarstaaten, während sich die Eisengießer reserviert verhielten.

Den Wissenschaftlern fehlte das tiefere Eingehen auf metallkundliche Probleme und ein umfassendes spezielles Literaturverzeichnis. Diese Kritik wäre berechtigt, wenn das Werk sich nur an die Wissenschaftler wenden wollte. Es ist aber in erster Linie für die Praktiker der Metallgußtechnik gedacht, für die ein zeitnahes tiefschürfendes Buch in Deutschland völlig fehlt. Die Wissenschaftler wiederum haben genügend Möglichkeit zur geistigen Anregung durch ausgezeichnete metallkundliche Werke. Diese bringen dann auch mehr oder weniger umfassende Literaturübersichten.

Der vorliegende zweite Band der Reihe "Metallguß" betitelt: "Schmelzen und Legieren" ist speziell eine Sammlung praktischer Erfahrungen auf allen Gebieten des NE-Metallgusses, die durch kurze Hinweise und Erklärungen an den dafür in Betracht kommenden Stellen wissenschaftlich untermauert wird.

Diesem Band möchten die Verfasser ein Wort als Richtlinie mitgeben, das Ernst A. Schott seinem vor vierzig Jahren erschienenen Buch u. a. auch voranstellte:

"Die Behandlung des Stoffes ist vom Standpunkt des Praktikers durchzu führen versucht worden. Wenn der wissenschaftlich gebildete Fachmann darin vielleicht eine nicht ganz genügende Würdigung der Wissenschaft finden sollte, so muß er schon die Absicht "für den Praktiker zu schreiben" in Erwägung ziehen, und dann wird, was ich sehr wohl hoffe, das Buch auch vor ihm bestehen können".

In diesem Sinne wollen wir das wertvolle Erfahrungsgut der deutschen Metallgießer und der des Auslandes (soweit es uns angeht) sammeln, um es vor Zersplitterung und Verzettelung zu bewahren, um aber auch auf der anderen Seite zu verhindern, daß durch scharlatanisierende Methoden, die leider wieder mancherorts aufgekommen ,sind, der Beruf eines Metallgießers in Mißkredit kommt.

Es war mein Bestreben, ein Fachbuch zu schaffen, das dem gegenwärtigen Stand unserer Schmelztechnik voll und ganz entspricht. Möge auch der zweite Band meines Sammelwerkes "Schmelzen und Legieren" die gute Aufnahme bei allen Fachgenossen finden, wie der inzwischen fast vergriffene erste Band ..." 

Erhaltungszustand

guter bis sehr guter Zustand, geringe Gebrauchs- und Alterungsspuren - kleiner Name auf dem Titel - Vorsatzseite senkrecht 2x geknickt - Einband teils geringfügig verschmutzt - Seiten sauber und ordentlich - eine Falttafel schräg zusammengelegt, dadurch etwas eselsohrig und am oberen Rand mit kleinen Blessuren