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Der Kaiser - Ein Charakterbild Wilhelms II.

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"So wie er in diesem Buche geschildert wurde, steht Kaiser Wilhelm vor seinen Zeitgenossen. Es mag zu mancher seiner Taten uns noch das Motiv und zu manchem Unternehmen, das fremdartig scheint, der Schlüssel fehlen: Dennoch ist die Persönlichkeit des dritten Kaisers aus dem Hohenzollernhause so eigenartig und so klar ausgeprägt in ihrer geistigen Anlage, daß wohl das Einzelne und seine Bewertung, sicherlich aber nicht die Grundzüge seines Wesens in schwankendem Licht erscheinen. Wir sehen in ihm eine Natur, deren Grundton Enthusiasmus, Phantasie und ein leidenschaftlicher Drang nach Betätigung bildet. Erfüllt von dem höchsten Bewußtsein der ihm verliehenen kaiserlichen Pflichten und Rechte, überzeugt, daß sie den direkten Ausfluß einer göttlichen Willensäußerung bilden, hat er innerlich die Fesseln des modernen Verfassungsbegriffs frühzeitig abgestreift, und in dem Worte, das er jüngst gesprochen, in dem Worte von der Verantwortung für 58 Millionen, diese Auffassung in eine sitttlich tiefernste, wenn auch verfassungsrechtlich unhaltbare Formel gekleidet. Dieses Wort aber war doppelt wertvoll, weil es uns den intimsten Einblick gewährt in die Psyche eines Mannes, der wohl in seinen Schlußfolgerungen und in seinen Mitteln irren kann, — nicht aber in seinen Motiven, eben weil er jeden seiner Schritte abmißt nach der Wirkung auf das Gemeinwohl. Hier findet auch der scheinbare Widerspruch seine Lösung, daß er bald uns entgegentritt umflossen von dem blauen Dämmerungszauber der Romantik, bald als der modernste aller Fürsten unserer Zeit. Aus der Steigerung des Majestätsbewußtseins erwächst ihm ein gesteigertes Pflichtgefühl, und statt von der Zinne her Ausblick und Wache zu halten über seinem Volk, steigt er hinab in das Detail. Und gerade hier muß er erlahmen, weil das moderne Leben und seine Entwickelung viel zu reich ist an Verschlingungen und Maschen, als daß es sich dem patriarchalischen Wohlmeinen fügen könnte. Und weil zugleich ein künstlerischer Zug in ihm wirkt und eine starke Phantasie, deshalb schreitet er freudig und oft hinaus über die Grenzen des realen Seins, um in farbenreichen Traumbildern vor unseren Augen eine Zeit zu beschwören, in der frohe Zufriedenheit alle Menschenherzen, Freundschaft und Versöhnung alle Nationen erfüllt — das Werk des Einen, der den Künstlertraum träumt.

Hier liegt etwas Eigenes, etwas Ungewöhnliches, das den eigentlichen Reiz einer Persönlichkeit bildet, die bisher in der Geschichte der Dynastieen kaum eine Parallelerscheinung findet. Es mag darin der Keim leuchtender Taten ruhen, aber allzuoft harrt am Ziele mit verbittertem Antlitz die Enttäuschung und hinter ihr die Menschenverachtung. Denn noch immer brach der Himmel zusammen, den man auf dem schwankenden Grunde der Erde errichtet und der Idealist reibt sich auf in dem harten Kampfe der Tatsachen. Im Sonnenlicht schreitet der Kaiser dahin, aber das Sonnenlicht blendet, er strebt zu schimmerndem Höhen, aber der Weg führt vorbei an Schroffen und Schlünden, ihn treibt es zu raschem, kühnem Fluge, aber langsam und zögernd nur schreiten Völker dahin."

Erhaltungszustand

guter bis sehr guter Zustand, geringe Gebrauchs- und Alterungsspuren - Einbandecken gering abgenutzt - Rücken stark und beide Deckel an den Rändern teils leicht farbverblichen - Exlibris im Vorsatz und Adressstempel auf dem Titel - Seiten sauber und ordentlich, aber Papier etwas altersgebräunt - Seidenpapier zwischen Bildnis und Titel gering defekt