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Begegnungen mit Zinn

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deutsche Erstausgabe

"Seit Jahren bitten mich Freunde, Sammler und Musen, die Gegenstände meiner Zinnsammlung in einem Buche zu veröffentlichen, ehe sie nach meinem Ableben als unruhiges Sammelgut wieder in alle Windrichtungen zerstreut werden. Diesen gewiß verständlichen und wohlgemeinten Wunsch habe ich immer wieder abgelehnt, und zwar aus folgenden Erwägungen:

Einmal hat sich in den letzten Jahren die Literatur über das Sammelgut Zinn derart vergrößert, daß neue Gesichtspunkte zur Kunstgeschichte des Zinns kaum mehr in Erscheinung zu bringen sein dürften, zum anderen würde das bloße Aneinanderreihen von Bildern, wie in einem Katalog, sicher nur wenige Spezialisten befriedigen.

Da lernte ich im Frühjahr 1963 Herrn Helmut Zimmermann, Freiberg /Sachsen, kennen, der sich als freischaffender Fotograf und als Bildautor der beiden Bücher ,,Welt der Kristalle" und ,,Aus Jahrmillionen Tiere der Vorzeit" einen internationalen Namen erworben hat. Herr Zimmermann machte mir den Vorschlag, meine Zinne in einem Kunst-Bildband zu veröffentlichen, eine Idee, der ich gern und mit Freude zustimmte.

Die eingestreuten kleinen Artikel in diesem Buche erheben keinerlei Anspruch auf Gründlichkeit. Sie haben lediglich den Zweck, den nicht sachkundigen Betrachter einigermaßen in die Materie einzuführen. Für den Sammler und sonstigen Interessierten ist genügend erstklassige Fachliteratur vorhanden (siehe Literaturnachweis).

DIE ZINNGIESSER UND IHR WERK

Die edle Zunft der Zinngießer, die sich gern mit dem Namen ,,Cantarifusores" bezeichneten, existiert nicht mehr.

Als der Goldsucher Böttger nach langjährigen Versuchen statt Gold das europäische Porzellan erfand, ging es mit dem Handwerk der Zinngießer bergab. Aber noch im 18. Jh. diente das Zinngeschirr allen Menschen, denen tönerne Gefäße zum täglichen Gebrauch zu gering waren, als Eßgeschirr, und gerade aus dieser Zeit gibt es noch viele gut erhaltene Stücke. Das Zinn ist ein Urmetall und länger bekannt als das Eisen. Aus Kupfer und Zinn stellte man Bronze her, ein zu allen Zeiten unschätzbares Material. Lange Zeit hat sich das Zinn als unedles Metall behauptet, und die Vorzüge bei seiner Verarbeitung waren beträchtlich. Es ließ sich leicht formen und verzieren, wobei unter anderem auch sehr wirkungsvolle Reliefs erzielt wurden, die besonders während der Renaissance das Zinngießerhandwerk zu großer Blüte brachten.

Weitere Vorzüge: wurden Zinngefäße beschädigt, so konnten sie jederzeit umgegossen werden. Im Haushalt war das Zinngeschirr außerordentlich praktisch, es hatte beim Gebrauch keinen Nachgeschmack, ließ sich leicht reinigen, und eine Küche mit glänzendem Zinngerät war der Stolz einer jeden Hausfrau. 

Durch die Entdeckung gewaltiger Funde im Inland (es handelt sich vorwiegend um Erzeugnisse aus deutschen und deutschsprachigen Gebieten) — man denke nur an das Erzgebirge, um 1200 — war die Herstellung von Zinngerät aller Art gewährleistet und man brauchte nicht mehr das Zinn aus dem Ausland zu hohen Preisen zu beziehen.

Die Religionskriege und besonders der Dreißigjährige Krieg brachten einen merklichen Rückschlag für das Zinnhandwerk. Eine Ausnahme machte die Zinngießerzunft der freien Reichsstadt Nürnberg. Diese Stadt wurde vom Kriege nicht berührt, und ihre Zinngießer schufen für Freund und Feind Zierteller mit Reliefdarstellungen der deutschen Kaiser, Gustav Adolfs, Wallensteins, ja des Sultans, sowie mit Motiven aus der biblischen Geschichte. Später — nach Friedensschluß — schuf man die kleinen Blumenteller.

Noch einmal im Zeitalter des Rokoko kam eine Nachblüte, aber das Ende des 18. Jhs. war dann die Todesstunde des Handwerks der Zinngießer. Billige Porzellanwaren, Glas- und Steingutgeschirr überschwemmten das Land und untergruben die Lebensmöglichkeit der Zinngießerwerkstätten. Langsam, aber stetig kam das Zinngeschirr aus der Mode. Die Zeit der Zinngießer war endgültig vorüber."

Erhaltungszustand

sehr guter Zustand, geringe Gebrauchs- und Alterungsspuren - Schutzumschlag gering defekt - Einband teils etwas farbverblichen