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Alte Stadtansichten

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Historische Darstellungen von Städten im Norden der DDR

"Das Panorama der alten Städte Mecklenburgs und Vorpommerns, wie es sich seit dem Ausgang des Mittelalters dargeboten und sich dann im wesentlichen bis in das 19. Jahrhundert erhalten hat, tritt uns in seiner äußeren Geschlossenheit und Einheitlichkeit in den Städteansichten der großen topographischen Werke und in vielen Einzelblättern des 16. und 17. Jahrhunderts entgegen.

Die frühesten Stadtdarstellungen wollen noch nicht die Individualform einer einzelnen, ganz bestimmten Stadt wiedergeben, sondern trachten danach, das Typische einer Stadt symbolhaft festzuhalten, nicht das Besondere eines Einzelfalls. Aus den allgemeinen architektonischen Elementen, Mauern, Toren und Türmen, wird ein Komplex zusammengesetzt, der den Begriff Stadt zum Ausdruck bringen soll. So dient noch in der berühmten Schedelschen Weltchronik (1493) ein und dieselbe Stadtformel für die Kennzeichnung verschiedener Städte. Nur allmählich wird das Bestreben deutlicher, nicht mehr die Stadt schlechthin, sondern eine bestimmte Stadt in ihrer charakteristischen Gestalt darzustellen.

Es leuchtet ein, daß wirklich porträthaft gemeinte Stadtansichten erst dann entstehen konnten, als die Kunst nicht mehr nur einen vorgegebenen geistig-ethischen Inhalt symbolisch wiedergeben sollte, sondern sich um eine wahrheitsgetreue, von Formeln freie Darstellung bemühte.

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts hatten sich in der mittelalterlichen Gesellschaft — bedingt durch eine weitreichende Arbeitsteilung, den Übergang von der Tausch- zur Geldwirtschaft und die Entfaltung der Warenproduktion — Frühformen der kapitalistischen Wirtschaft entwickelt. Träger dieser neuen Ordnung war das Bürgertum, das aus der mittelalterlichen Stadtbürgerschaft zur bürgerlichen Klasse und damit zur entscheidenden Kraft der gesellschaftlichen Entwicklung emporwuchs. Ausgesprochener noch als bisher bildeten die Städte den Mittelpunkt des wirtschaftlichen und geistigen Lebens. War auch schon im 14. Jahrhundert der Bürger durch seine Spenden für die Kirche als anonymer Auftraggeber der Kunst entgegengetreten, so wendete er sich nun direkt an den Künstler, der im Rahmen der Zünfte jetzt seinen festen gesellschaftlichen Standort als gleichberechtigter Bürger der Stadt einnehmen konnte. Dadurch erhielt die Kunst eine neue gesellschaftliche Grundlage, die Inhalte veränderten sich. Der in der Zunft seßhafte und vom Bürgertum bezahlte Künstler mußte seinem Werk einen anderen Charakter geben als der mittelalterliche Künstler, der ausschließlich für Kirche und Adel gearbeitet hatte. Die Voraussetzungen waren geschaffen — sie wurden durch die Anerkennung der Realitäten begründet, so daß die Kunst sich nun der Darstellung des individuellen Menschen und seiner Umwelt zuwenden konnte ...

Das Gesicht unserer Städte hat im Laufe der Jahrhunderte mannigfaltige Wandlungen erfahren. Jede Zeit hat ihre Spuren hinterlassen. Immer wieder wurde Altes abgebrochen und Neues an seine Stelle gesetzt. Verheerende Brände hat fast jede Stadt in ihrer Geschichte erlebt, und welch tiefe Wunden hat der zweite Weltkrieg gerade den schönsten von ihnen geschlagen.

Dennoch haben, bei aller Wandlung und Zerstörung, die alten Städte ihren Charakter als bedeutende Denkmäler bürgerlichen mittelalterlichen Städtebaus erhalten.

Ihre wesentliche Gestalt ist auch heute noch nicht zerstört. Der Grundriß der Städte, ihr städtebaulicher Plan hat sich innerhalb der alten Mauergürtel nahezu unverändert erhalten. Marktplätze und Straßenzüge zeigen auch heute noch die Gestalt der Gründungszeit, künden noch heute von der Kraft des mittelalterlichen städtebaulichen Wollens."

Erhaltungszustand

sehr guter Zustand, geringe Gebrauchs- und Alterungsspuren - Einbandecken und -kanten teils gering abgenutzt