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Im Sattel durch Zentralasien - 6000 Kilometer in 176 Tagen

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der Autor war Ltnt. im Neumärkischen Feld-Artillerie-Regiment No. 54
Bilder meist nach Originalaufnahmen des Verfassers

"Nach der Mongolei und durch Schansi.

Von jeher bin ich ein großer Freund des Reit- und Rennsportes gewesen. Während des nicht sehr ereignisreichen Garnisonlebens in Peking und Tientsin hatte ich Gelegenheit, mich viel mit dem chinesischen Pferdematerial zu beschäftigen. So lag der Gedanke nahe, zum Abschluß meiner Dienstzeit in China meinen bis dahin im Dienst unternommenen Rekognoszierungsritten einmal eine etwas größere Ausdehnung zu geben und auf dem Landwege nach Hause zurückzukehren.

Im stillen hatte ich mich längst darauf vorbereitet; zunächst durch planmäßige Erlernung der chinesischen Sprache. Sodann erbat ich mir einen 45 tägigen Urlaub zu einem Proberitt ins Innere, der sich vorläufig nur auf die Mongolei und die Provinz Schansi beschränken sollte. Da ich bei dieser Gelegenheit wichtige Erfahrungen für die später auszuführende große Reise Tientsin—Andischan sammelte und auch sonst interessante Punkte berührte, so habe ich es für zweckmäßig gehalten, im ersten Kapitel
die Schilderung dieses Rittes vorauszuschicken. Der photographische Apparat wurde auf diesem Ritt nicht mitgenommen, einer meiner Freunde hatte jedoch die Güte, mir für dieses Kapitel seine Aufnahmen zur Verfügung zu stellen. Mit Bezug auf das Pferdematerial, das mir bei diesem, wie bei dem späteren großen Ritt zur Verfügung stand, verweise ich den Leser auf das zweite Kapitel, in dem ich das zusammengestellt habe, was mir über den chinesischen Pony und den Rennsport in China bekannt geworden ist.

Der Abmarsch von Tientsin war auf den 25. September 1902 festgesetzt. Zuvor mußte ich mir noch einen Paß vom Taotai besorgen; es war anzunehmen, daß dieser genügen würde, denn Tschili wie Schansi, mein Reiseziel, waren völlig ruhig. Mit mir ging nur mein getreuer Mafu, ein schon längere Zeit in meinen Diensten stehender Chinese aus besserer Familie. Als ich ihn fragte, ob er denn mit wolle, und ihm zugleich sagte, wohin ich ungefähr zu gehen gedächte, machte er zuerst ein recht zweifelhaftes Gesicht. Mitreiten wollte er schon gerne, nur wüßte er nicht, ob es seine Eltern erlauben würden, außerdem schien ihm eine Partie in den Wu tai schan nicht recht geheuer, denn dort sollte es furchtbar kalt sein, und Kälte schätzt der Chinese absolut nicht. Die Eltern hatten schließlich nichts gegen seine Abreise, nur die Taitai, seine Frau, behauptete mit einem Male, während seiner Abwesenheit nicht mit dem üblichen Monatsgelde auskommen zu können. Ich legte aber einige Dollars zu, und als er dann noch die für ihn bestimmten Ausrüstungsstücke europäischer Arbeit besichtigt hatte, war alles gut und er selbst Feuer und Flamme für die Partie; im übrigen bin ich überzeugt, daß er weder seine Eltern noch seine bessere Hälfte gefragt hat, sondern nur etwas mehr Geld herauszuschinden hoffte. So ist nun einmal der Chinese, wo er einen Profit machen kann, und sei es der allerkleinste, da ist ihm kein Mittel zu schlecht.

Übrigens ist es außerordentlich wichtig, einen Diener mit zu haben, dem man vertrauen kann, denn keine Gelegenheit ist günstiger zum Ausbeuten eines Europäers, als wenn dieser eine Reise ins Innere unternimmt. Ich glaube beinahe, daß jeder Chinese, mit dem man unterwegs verhandeln muß, eine Art moralischer Verpflichtung fühlt, den fremden Teufel nach Möglichkeit zu plündern. Mein Mafu, der sich auch bisher stets ordentlich aufgeführt hatte, hat sich auf dieser Reise aufs glänzendste bewährt. Ohne ihn hätte ich rettungslos das dreifache Geld ausgegeben, und jeder Mensch, mit dem ich später über den Geldpunkt sprach, war erstaunt über meine Angaben, denn ich bin nie in meinem Leben billiger gereist als im Innern Chinas, natürlich abgesehen von den Ausgaben für die Ausrüstung. Diese waren für mich auch nicht besonders hoch, da ich fast alle die für den Feldgebrauch bestimmten Stücke benutzen konnte und als Reittiere bezw. als Packtier die in meinem Besitz befindlichen Rennponies mitnahm ..."

  • Nach der Mongolei rund durch Schansi
  • Vorbereitungen zum grossen Ritt nach dem Westen
  • Über Taiyuanfu zur alten Kaiserstadt Hsi Ngan Fu
  • In der Provinz Schensi
  • Kansus Steppen
  • Durch die Wüste Gobi zum Thien Schan
  • Chinesisch-Turkestan
  • Von Kaschgar über den Alai nach Russisch-Turkestan
  • Zur Heimat zurück

Erhaltungszustand

sehr guter, gepflegter Zustand, geringe Gebrauchs- und Alterungsspuren