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Die Gewalt des Augenblicks - Gedanken zur Ästhetik der Fotografie

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Heidtmann 05048

"Die Bedeutung der Fotografie als wissenschaftliche Dokumentation, als Mittel der Massenkommunikation und als großes Bildgedächtnis der Menschheit ist offenkundig. Um so erstaunlicher bleibt deshalb, daß der Streit um das Wesen des Lichtbildes und um seine ästhetischen Qualitäten, der 1839 mit den ersten Daguerreotypien begann, bis heute unvermindert andauert.

Er wurde und wird zumeist als Streit um die Kunstwürde der Fotografie geführt, aber allzu einseitig auf die Frage beschränkt, ob der Fotograf mit seiner Kamera ähnlich verfahren könne wie Maler und Grafiker mit ihren Instrumenten. Der Autor folgt dieser herkömmlichen Einseitigkeit nicht. Er weist überzeugend nach, daß mit der Kamera ein neues Bildprinzip in die Welt gekommen ist, dessen Charakter und Wert nicht aus den klassischen Künsten erklärt werden kann. Der Kern seiner Gedanken ist die These, daß die Fotografie mit dem ästhetischen Moment, der » Gewalt des Augenblicks«, ihren spezifischen Gegenstand und mit der »Ex-position« ihre spezifische Methode gefunden habe. Damit beendet er auf eine interessante Weise den alten Rivalitätsstreit zur Malerei und bringt zugleich für die Ästhetik insgesamt neue Probleme ins Gespräch.

In diesem Buch wird verlangt, über das Handwerklich-Technische und die elementaren Fragen der Flächengestaltung hinauszudenken. Sie sind Voraussetzung, aber nicht das Ziel der Fotografie. Denn je mehr das Lichtbild den Kinderschuhen des Nur-Abbildens entwächst und aufhört, die Malerei oder Grafik nachzuahmen, um so deutlicher erweist es sich als ein vergegenständlichter geistiger Prozeß mit nur ihm eigenen Besonderheiten.

Die Praxis selber hat also die Notwendigkeit, über die Fotografie »anspruchsvoller«, d. h. im Gesamtzusammenhang der philosophischen und künstlerischen Kultur der Zeit, zu denken, auf die Tagesordnung gesetzt. Bisher existieren allerdings nur Ansätze dazu, Fragmente, und die »Gewalt des Augenblicks« ist der erste Versuch, von den Positionen des Materialismus und der Dialektik her eine eigene ästhetische Theorie des Lichtbildes zu legitimieren.

Der Autor will dabei, wie er im Vorwort sagt, weniger belehren als bewegen und fordert mit einer Reihe originaler Gedanken und nicht zuletzt durch die zahlreichen Bildzitate immer wieder die Mitarbeit des Lesers heraus. Die »Spannweite« des Buches reicht vom philosophischen und psychologischen »Vorfeld« der Fotografie über die Besonderheiten des Schaffensvorganges bis zum »zweiten Teil des Bildprozesses«, der Bildbetrachtung. Seine Gedanken gehen deshalb nicht nur die Fotografen an, sondern gleichermaßen Redakteure, Kunstwissenschaftler, Künstler, Kulturpolitiker und nicht zuletzt alle, die am Betrachten von Fotos Freude haben.

Denn das Vergnügen am Bild wird durch die hier vorgetragene ästhetische Theorie nicht gemindert, es wird vielmehr zu einem verständigen Vergnügen erhoben."

Erhaltungszustand

sehr guter Zustand, geringe Gebrauchs- und Alterungsspuren - Schutzumschlag defekt