Onlineshop für Liebhaber antiquarischer Bücher

Startseite

Die Felszeichnungen von Bohuslän, das Grab von Kivic, ...

weitere Bilder:
39,00 Euro inkl. 7 % USt., zzgl. Versandkosten
Lieferzeit: 5-7 Tage*

Die Felszeichnungen von Bohuslän, das Grab von Kivic, die Goldhörner von Gallehus und der Silberkessel von Gundestrup als Denkmäler der vorgeschichtlichen Sonnenreligion

Ein Deutungsversuch

Veröffentlichungen des Provizialmuseums zu Halle, Band I / Heft II

"Nach dem heutigen Stand unseres Wissens hat sich der Mensch im Lauf der Diluvialzeit aus der Tiermenschheit zur Menschlichkeit entwickelt. Im späteren Diluvium gelang in Westeuropa, anscheinend zum erstenmal in der Menschheitsgeschichte, die Bildung einer Rasse, die geistig hoch genug stand, die nach und nach gesammelten Kulturerrungenschaften so zusammenzufassen und weiterzubilden, daß eine erste geschlossene Kultur großen Gepräges daraus ward, die den ältesten geschichtlichen Schriftkulturen nahe steht und wie diese große Denkmäler hinterlassen hat. In den jüngsten unter den bemalten Höhlen Südfrankreichs und der Pyrenäen (Magdalenien bez. Capsien und Azilien) sind uns die bedeutendsten Werke dieser Stufe der altsteinzeitlichen „Höhlenkultur'' erhalten; ihr Ausgangspunkt könnte nördlicher gelegen haben.

Die Kultur ist noch „altsteinzeitlich", d. h. ihre Werkzeuge und Waffen sind überwiegend aus Feuerstein gefertigt, der mit klarer Absicht und sicherer Geschicklichkeit zu verschiedenen, zweckmäßigen Gestalten zurechtgesplittert, aber noch nicht geschliffen wird. Steinbearbeiter und Holz- und Knochenschnitzer sind die kunstreichen Schmiede dieser Entwicklungsstufe; in eigenen Werkstätten bilden sie ihre Künste aus und überliefern sie.

Das eindrucksvollste Werk der Kultur ist eine Kunst großen Stils, die die Wände bewohnter und unbewohnter Höhlen, aber auch Felsen und Steine, Knochengeräte und Steinplättchen mit Umrissen und Malereien schmückt, die fast ausschließlich Tiere und zwar Pflanzenfresser (Elefant, Stier, Renntier, Wildesel u. a.), daneben Seehunde, Fische, Schlangen, selten Raubtiere (Bär, Löwe) darstellen; die Tiere stürmen dahin, weiden, ruhen, begatten sich, sind gelegentlich von Jungen begleitet — erst neuerdings sind sie auch in Gesellschaft des Menschen gefunden (Sprung über den dahinrasenden Stier). Der Umriß, auch die Bewegung, sind scharf und bezeichnend erfaßt, mit lebendiger Natürlichkeit wiedergegeben. Kleine bildhauerische Stücke zeigen neben etwas steifen Tierbildern schon ein Ideal männlicher Körperschlankheit und weiblicher Fülle.

Als diese Tierbilder entdeckt wurden, Zustandsbilder ohne Menschen, so naturwahr beobachtet, dachte man zu ihrer Erklärung an ein künstlerisch besonders begabtes Jägervolk, das zum Zeitvertreib oder zu Zauberzwecken, um Wildreichtum und ergiebige Jagden zu erzielen, diese Umrisse gezogen und gefärbt habe. Aber diese Erklärung ließ manches im Dunkel z. B. Darstellungen, in denen Renntiere mit Fischen untermischt, zwei augenartige eckige Strichsymbole darüber, sich auf einer Wand fanden, oder solche von Schlangen, Fischen und Ähren in Strichzeichnungen auf einem durchlochten Knochen; Jagdbeobachtung und Jagdzauber war da nicht wahrscheinlich, ein tieferer Sinn mußte vermutet werden, der Gedanke einer Verwendung mindestens der Strichaugen und -ähren als Symbole drängte sich auf.

Wo sich eine Kunst findet, die den Umriß verschiedener Tiere und die bildnerische Gestaltung des Menschen so vollkommen beherrscht, ist eine Symbolik, eine Verwertung gekürzter Umrisse zu Mitteilungen zu erwarten: die Schrift steht vor der Tür.

In der Pasiegahöhle (Pyrenäen) hat sich eine altsteinzeitliche Bildinschrift gefunden; sie ist neben dem Eingang zur Haupthalle angebracht und besteht aus drei sicheren Bildern, die mir ein Vorder- oder Hinterteil eines bemannten Schiffs, ein paar Fußtapfen von nackten Menschenfüßen und ein gekürzter Stierkopf zu sein scheinen; eine runde Scheibe und drei längliche Figuren könnten dazu gehören.

Die Pasiegahöhle ist ein schwer zugängliches Labyrinth von Gängen und Klüften, das eine größere Halle enthält, in deren Mitte auf einem Altar, aus einem Sinterblock zurecht gehauen, noch ein Opfermesser gefunden wurde; die Wände sind bis in die verborgensten Winkel hinein mit Bildern von Elefanten, Stieren und Rindern, Hirschen und Hirschkühen, Wildpferden, Steinböcken und Gemsen bedeckt. Die Höhle war nie bewohnt, ohne Frage ein Heiligtum.

Massenhafte Symbole verwandter Art, wie die gelegentlich auf Höhlenwänden und Knochen gefundenen, barg die Höhle von Mas d'Azil ..."

Erhaltungszustand

noch guter Zustand, Gebrauchs- und Alterungsspuren: Umschlag teils etwas farbverblichen und Rücken unten mit Wasserfleck - Deckel mit altem, ungültigem Stempel - Deckel und Rückseite am senkrechten Rand bröselig und mit Einrissen bzw. Abrissen - Seiten unbeschädigt und sauber - Seiten original nur oben mit Seitenschnitt, deshalb rechts und unten ungleichmäßige Ränder mit kleinen Blessuren - Seiten teils leicht eselsohrig