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Die Baltischen Provinzen Band 5: Märchen und Sagen

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Ostsee und Ostland
herausgegeben von Dr. Otto Grautoff
Band 1: Die Baltischen Provinzen
Band 1/5: Märchen und Sagen
herausgegeben von August von Lövis of Menar

"Was Letten und Esten in Glaube, Sitten und mündlicher Tradition vormals befaßen, ist uns mangelhaft überkommen und noch wenig erforfcht. Es ist auch hier nicht der Ort, diese Überlebsel zusammenzutragen und zu schildern. Wir wollen im Rahmen dieses baltischen Sagen- und Märchenbuchs nur zeigen, was sich in historischer Zeit an Überlieferungen findet und welche Stoffe der Unterhaltung in Schloß und Hütte, in Stadt und Land dienten und zum Teil auch jetzt noch dienen. Nicht dem ungewissen mythischen Gehalt einer Sage oder gar eines Märchens wollen wir nachspüren, fondern die Erzählungen durch ihre Darstellung und in ihren Gestalten auf den Leser wirken lassen. Wir wollen, wovon eingangs die Rede war, die Mannigfaltigkeit im Geistigen und in der Umwelt und den Niederschlag der bunten Folge geschichtlicher Ereignisse aufzeigen. Aus ihnen möge dem Hörer und Leser ein Ausschnitt aus dem Bilde baltischen Lebens lebendig werden.

Willkürlich für den strengen Forscher spannen wir uns den Rahmen. Nicht die geheimnisvollen und unheimlichen Erzählungen von Traum und Tod und von der Seele, vom Werwolf, von Hexen und Gespenstern, von alten Sitten und Bräuchen stellen wir voran, obwohl ihr Kern und der geistige Boden, auf dem sie erwuchsen, weit über die Zeit des historisch Bekannten hinausgehen, sondern wir beginnen mit den Gründungssagen der alten baltischen Städte.

Reizvoll verknüpft mit uraltem Legendengut ist die erste der Sagen von der Gründung Rigas. Tief verwurzelt in der Überlieferung der alten Hauptstadt Livlands galt der »Große Christoph« — ein Standbild aus Holz in Überlebensgröße nahe dem Ufer der Düna — noch bis vor wenigen Jahren als Wahrzeichen der Stadt und als Schutzpatron der Holzflößer auf dem breiten Strom.

Stofflich noch älter ist die zweite Sage, die bekanntlich schon im Zusammenhang mit Dido, der Gründerin Karthagos erzählt wird. Die Wissenschaft nennt solche Motive, wie die von der zerschnittenen Ochsenhaut, Wandermotive, denn es gibt kaum Grenzen und Hindernisse, die sie nicht überschritten, sie tauchen allüberall und zu allen Zeiten immer wieder auf.

Eine weitere kleine Gruppe von Städtesagen deutet die Namen. Anspruch auf historische Wahrhaftigkeit dürfen sie nicht erheben. Es sind naive etymologische Spielereien und Witzworte, vielleicht öfter im Kreise lustiger Leute entstanden.

Daß eine Stadt nicht fertig werden darf, weil ihr sonst ihr Untergang droht, weist auf alte Vorstellungen zurück. Unbekannte feindliche Mächte sind allem Menschenwerk abhold; einst gewinnen sie jedoch Macht und Gewalt, das von Menschenhand Errichtete zu zerstören. Darum gilt es sie hinzuhalten, sie zu täuschen. Das alte graue Männlein in der Sage würde sonst die feindlichen Scharen herbeirufen und von der alten stolzen Hansestadt Reval keinen Stein mehr auf dem anderen lassen.

Von den Inseln im Meerbusen von Riga berichten die nächsten Stücke und greifen in die vorgeschichtliche Ansiedlungszeit zurück. Ein Hauch von Wikingertum liegt über diesen wie manchen anderen am Meere spielenden Sagen.

Erinnerungen an einen Ordensmeister des alten Livlands, auffallenderweise von einem, der in der Geschichte keine bedeutende Rolle gespielt hat, klingen in der Sage von Sigfrid Lander von Spanheim an. Sie führt uns hinüber in den Kreis der Geschlechtersagen (S. 24. ff.), die vorzugsweise in Estland und Kurland heimisch sind. Das Geschlecht der Pahlen vor allem lebt in der Erinnerung fort und zwar nicht nur bei den Deutschen im Lande, sondern ganz besonders bei den Esten, die Rühmendes von der Mildtätigkeit der Herren von Palms — dem Stammgut der Pahlen — zu berichten wissen (S. 36). — Von hohem Interesse sind aber auch die Sagen, die sich an die alten Schlösser Kurlands heften, in denen noch heute die Nachkommen jener alten Besitzer hausen.

In die bewegte historische Vergangenheit führen manche unserer Stücke. Dänen, Schweden, Polen und zuletzt auch Russen streiten und kriegen wider den Orden und gegeneinander um das alte deutsche Land. — Eine Gestalt ragt besonders hervor: Jakob de la Gardie. Er war seit 1619 schwedischer Gouverneur von Estland, seit 1622 auch der von Livland und einer der fähigsten Heerführer des Schwedenkönigs Gustav Adolf. Seine Gestalt hat mythischen Umriß in den Augen des Volkes gewonnen: als einen Riesen faßt ihn der Este auf und begabt ihn mit zauberischen Kräften.

Sagen von Bauten reihen wir ferner an. Reval mit seinem Wahrzeichen, dem spitzen Olaiturm, ist reich an ihnen ..."

Erhaltungszustand

guter Zustand, geringe Gebrauchs- und Alterungsspuren - vom Rückenbezugspapier fehlt der oberste halbe Zentimeter - beide Deckel in den Rückengelenken oben je 2 und unten je 1 cm eingerissen - beide Deckel teils etwas eselsohrig - Rückseite oben rechts mit kleinem Eckabriß - Seiten sauber und ordentlich - Seiten teils leicht eselsohrig - Seitenschnitt etwas gebräunt und gering schmutzfleckig